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Medienbericht vom 18. November 2019

Zofinger Tagblatt

Die Wahl fiel auf Geigerin Amelia Maszońska

Am Schlusskonzert der Schenk-Stiftung wurde im Stadtsaal um den Preis der Stadt Zofingen gerungen.

Kurt Buchmüller

Mit der Evamaria und Jmanuel Schenk-Stiftung verfügt Zofingen über eine schweizweit einzigartige Institution: Alljährlich können die Schweizer Musikhochschulen ihre besten Talente zum Vorspielkonzert in den Stadtsaal schicken. Dieses Jahr traten von den 18 Angemeldeten 12 vor die Jury. Diese selektierte davon vier zum Auftritt am Schlusskonzert im Stadtsaal zusammen mit dem Orchester «argovia philharmonic ». Darin liegt der Sinn und Zweck der Stiftung: Junge Musiktalente sollen eine Starthilfe als Solisten in einem grossen Sinfoniekonzert erhalten.

Der Blick in den voll besetzten Stadtsaal muss für die vier dazu Erkorenen ein erhabenes Erlebnis gewesen sein. Raymond Oswald, Präsident des Stiftungsrates der Schenk-Stiftung, bedankte sich in der Begrüssung bei den Partnern des Konzertes für ihr Engagement und orientierte über Verhandlungen mit dem Verein Kulturraum Hirzenberg. Er habe vorgeschlagen, das Hirzenberg Festival um einen Tag zu verlängern, wo sich die von der Schenk-Stiftung ausgewählten Talente mit Kammermusik präsentieren können.

In Selbstwahlstücken auf die Probe gestellt

Fuko Ishii (1991, Japan, Klavier) absolviert zurzeit das Masterstudium in Performance an der Hochschule für Musik in Basel und verfügt bereits über Konzerterfahrung. Sie profilierte sich mit dem ersten Satz «Allegro con brio» aus Beethovens Klavierkonzert Nr.1 opus 15. Er habe daran 1795 bis 1801 gearbeitet, erklärte Moderatorin Regi Sager, die durch das Programm führte. Auch die Solistin hat sich darin gründlich vertieft. Eingeleitet von einem zunächst sanften Kopfsatz des Orchesters verwandelt sich das Thema in ein von Pauken unterstütztes Tutti. Nun brachte sich das Klavier ein, und zwar entsprechend dem «Allegro con brio» aus sprühenden Läufen und perlenden Trillern. Den Höhepunkt ihres Könnens erreichte die Solistin in der ausführlichen und virtuosen Solokadenz.

Nun war Amelia Maszońska (1993, Polen, Violine) an der Reihe. Welch hohen Grad ihr Studium als Master Specialized in Music Performance erreicht hat, zeigte sie im Violinkonzert Nr. 2 opus 22 ihres Landsmannes Henryk Wieniawski. In diesem Werk bringt der Komponist als Geigenvirtuose alle Raffinessen des Violinspiels ein: Eine anspruchsvolle Auswahl an Techniken wie Glissandi, Doppelgriffe, chromatische Tonleitern und eine Vielzahl von Bogentechniken. All dies vereinigte die Solistin zu einem Glanzstück des Konzertes.

Nach einer kurzen Pause folgte Hyazintha Andrej (1995, Österreich, Violoncello). Sie studiert an der Zürcher Hochschule der Künste und ist schon mehrfache Preisträgerin. Sie wählte Robert Schumanns Konzert für Violoncello und Orchester opus 129. Heute gehört es zum Standardrepertoire von Cellisten, früher war es umstritten, vieles daran ist ungewöhnlich, so auch der Part des Orchesters. Es nimmt keine begleitende Funktion ein, sondern ist ein gleichwertiger Partner der Solisten. Dabei entwickelte sich ein Dialog zwischen «argovia philharmonic» unter der Leitung von Marc Kissóczy und der Solistin. Das begann mit kurzen, schwermütigen Harmonien der Bläser, die eine melancholische Stimmung entfalteten. Das Hauptthema des ersten Satzes geriet im Spiel von Hyazintha Andrej zum Schönsten, was es je für Cello gegeben hat.

Das Publikum wählt den Gewinner

Zum Schluss stellte sich Amit Dubester (1990, Israel, Saxophon) mit dem «Concertino da Camera» für Saxophon vor. Das begleitende Orchester hatte sich auf einige Blas- und zwei Streichinstrumente reduziert. Zusammen mit dem Solisten formulierte der erste Satz ein unruhiges, hektisches und auflehnendes Klangbild, der zweite wirkte beruhigend und der dritte Satz nahm wieder den Charakter des ersten Satzes auf; es entstand gewissermassen ein Spiegelbild des Zeitgeschehens, eindrücklich musikalisch ausgelegt vom virtuosen Solisten und im gleichen Sinn eingerahmt von der Begleitung.

Nach dem Auftritt der vier Solisten orientierte Annina Beck, wie das Publikum mit dem Handy über den Preis der Stadt Zofingen abstimmen kann. Seine Wahl fiel auf Amelia Maszońska (Violine). Das Orchester seinerseits bevorzugte Hyazintha Andrej (Violoncello).