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Medienbericht vom 13. September 2017

Zofinger Tagblatt

Hohe Hürden für musikalische Talente

Zwölf Hochbegabte kämpften am Solistenwettbewerb um die Teilnahme am Jahreskonzert.

Kurt Buchmüller

Alljährlich können die Schweizer Musikhochschulen der Schenk-Stiftung ihre aussichtsreichsten Talente zum Solistenwettbewerb anmelden. Von den acht eingeladenen Musikhochschulen beteiligten sich Basel, Bern, Lausanne, Luzern und Zürich mit 14 Nominationen. Davon konnten zwölf am Vorspielkonzert im Zofinger Stadtsaal teilnehmen. Die diesjährigen Gewinner werden am 17. November mit der argovia philharmonic auftreten. Die Jury aus Marc Kissóczy (Dirigent, Professor der Zürcher Hochschule der Künste), Dieter Ammann (Komponist, Professor der Musikhochschule Luzern) und Oliver A. Schnyder (Pianist und 1996 Preisträger der Schenk Stiftung) mussten unter den Guten die Besten auswählen. Eine schwierige Aufgabe, denn das Niveau der Nominierten war ausnahmslos sehr hoch.

Von den zwölf Erkorenen stammen drei aus Russland, zwei aus der Schweiz und je ein Talent stellten Deutschland, Italien, Hongkong, Kasachstan, Portugal, Lettland und die Ukraine. Das zeigt vor allem, welches Ansehen die Schweizer Musikhochschulen international geniessen. Zuerst war Sérgio Pires (Portugal) mit «Introduktion, Thema und Variationen für Klarinette und Orchester» von Giacchino Rossini an der Reihe. Er gab dem Stück die ganze Spannweite zwischen schmelzender Romantik, grenzenloser Virtuosität, Hoch und Tief, sanfter Modulation und spitzen Akzenten. Ihm folgte Giulia Ott (Schweiz) mit dem Harfenkonzert D-Dur von François Boieldieu, das eine zentrale Position im Harfenrepertoire belegt. Es beginnt mit einem schnellen Tempo, dem eine fliessende, mit Trillern und Glissandos garnierte Melodie folgt. Im zweiten Satz dominiert vorerst eine klagende Melodie, die zunehmend heller wird und in einer funkelnden Kadenz endet.

Sherniyaz Mussakhan (Kasachstan) wählte das 4. Violinkonzert in D-Dur von Mozart und brachte die für diesen Komponisten typische Strahlkraft und Melodik zum Ausdruck. Im Cellokonzert Nr. 1 von Camille Saint-Saëns zeigte Valentina Dubrovina (Russland), dass sie schnelle Läufe und rasch wechselnde Doppelgriffe beherrscht, aber auch musikalische Stimmungsbilder einbringen kann. Daniele D’Andria (Italien) offenbarte mit einer hervorragenden Interpretation, weshalb Mendelssohns Violinkonzert in e-Moll mit seiner singenden Melodik und Virtuosität zu den unbestrittenen Paradestücken dieser Gattung gehört. Einen Ausflug in die Opernwelt unternahm Andrey Cholokyan (Russland) mit Motiven aus der Oper «La faforita» von Donizetti. Die Oboe vertrat hier im Einklang mit der Klavierbegleitung die wandelnden Gefühlswelten einer singenden Primadonna.

Musikalisches Dessert

Nach der Mittagspause gelang Anna Zaychenko (Russland) ein unerschöpfliches Musikerlebnis mit Mozarts 21. Klavierkonzert in C-Dur (KV467), indem sie zusammen mit ihrem Begleiter eine Verbindung zwischen Virtuosität und Ausdruck herstellte. Die virtuose Seite brachte sie im «Allegro maestoso» ein, das mit perlenden Läufen genau diesen Charakter erhielt. Die Seele legte sie tief versunken im «Andante» ein. Marija Bokor (Schweiz) folgte diesem Vorbild mit dem Konzertstück für Klavier und Orchester in f-Moll von Carl Maria von Weber, worin Melancholie mit Leidenschaft wechselt und dann in ein furioses Finale mündet.

Amanda Taurina (Lettland) schwelgte mit dem Konzertstück für Oboe und Orchester von Julius Rietz in romantischen Stimmungsbildern. Ganz anders tönte es bei Alina Akselrud (Ukraine), nämlich in der überwältigenden Sprache Beethovens im Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll. Im ersten Satz verband die Pianistin Rhythmus, Melodie, Harmonik, Klangfarben und Dynamik miteinander, im «Largo» brachte sie dessen ganze Ausdruckstiefe ein. Und wiederum fand ein Stilwechsel statt. Hon Sun Charles Ng (Hongkong) beschrieb mit dem Saxofon die Emotionen von Glasunov im Konzert für Saxofon und Streicher. Am Schluss zeigte Paul Handschke (Deutschland) im Cellokonzert Nr. 2 in g-Moll von Schostakowitsch, welch widersprüchliche Ausdrucksmittel die Neuzeit verwendet.