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Medienbericht vom 20. November 2017

Zofinger Tagblatt

Konzertieren um den Preis der Stadt

Am Jahreskonzert der Schenk-Stiftung traten vier hochrangige Talente zur Qualifikation an.

Kurt Buchmüller

Vorangegangen ist den zum Jahreskonzert eingeladenen Solistinnen und Solisten ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Im Frühjahr konnten die Direktoren oder Dozenten der Schweizer Musikhochschulen ihre begabtesten Studierenden für die Teilnahme am Solistenwettbewerb vorschlagen. Nominiert werden konnte nur, wer maximal dreissig Jahre alt ist und eine Kontaktadresse in der Schweiz hat. Eingegangen sind vierzehn Nominationen, davon wurden zwölf eingeladen zum Vorspielkonzert am 5. September im Stadtsaal vor der Jury aus Marc Kissóczky (Dirigent und Professor der Zürcher Hochschule der Künste), Dieter Ammann (Komponist und Professor der Musikhochschule Luzern) sowie dem Pianisten Oliver A. Schnyder.

Aus 12 mach 4

Von den zwölf Vortragenden traten vier am Jahreskonzert auf. Ihnen steht ein Konzert zusammen mit dem Orchester «argovia philharmonic» und eine Belohnung von zweitausend Franken in Aussicht. Die Stifter Jmanuel und Evamaria Schenk wollten damit den Nachwuchstalenten den Weg zu einer Solistenkarriere ebnen. Wer am Jahreskonzert den Preis der Stadt Zofingen in der Höhe von tausend Franken gewinnt, beurteilte die fünfköpfige Jury aus Amando Ammann, Hansjörg Ammann, Ursula Baumann, Matthias Kipfer und Adrian Zinniker. Den Anstoss dazu gab das Stifterehepaar mit der Idee zur Förderung junger Talente. Diese sehen ihren Lebensinhalt im Musizieren und greifen nach der Chance, damit die Herzen des Publikums zu berühren. Den Anfang damit machte am Jahreskonzert die Baslerin Giulia Ott, die an der Hochschule für Musik in ihrer Heimatstadt studierte. Sie stellte sich mit dem Harfenkonzert in C-Dur von François Boieldieu (1775–1834) vor. Andreas Müller-Crepon, der durch das Programm führte, bezeichnete den Komponisten als «französischen Mozart ». Unter den Händen der Solistin entfaltete sich im «Allegro brillante» ein heiteres und festliches Spiel, dem eine fliessende Melodie folgte. Das «Brillante » erschien in langen Trillern und einigen Glissandos, und das «Andante lento » erhielt einen klagenden, melancholischen Charakter, unterstützt mit den dynamischen Akzenten des Pedals. Das «Rondo» griff im Wechsel mit dem Orchester immer wieder das gleiche, eingängige Thema auf und schloss mit einer funkelnden Kadenz der Solistin. Das nachfolgende «Konzertstück für Klavier und Orchester» opus 79 von Carl Maria von Weber (1786–1826) verbindet vier Sätze nahtlos miteinander, beginnt in düsteren Mollpassagen sanft-melancholisch und wechselt in Dur zu einem festlich-rhythmischen Marsch. Die Solistin Marija Bokor holte in engem Dialog mit dem Orchester alles heraus, was an Spannung und markanten Einsätzen darin liegt, und dies mit einer Virtuosität sondergleichen.

Beseeltes und akrobatisches Spiel

Nach der Pause folgten glückliche Momente mit Mozart. Anna Zaychenko verhalf dazu mit dem Klavierkonzert Nr. 21 in C-Dur, KV 467. Der Komponist habe sich damals in einer glücklichen Phase mit gutem Einkommen befunden, erklärte Andreas Müller-Crepon. Beglückt wurde auch das Publikum durch die Solistin, die nach einem langen Vorspiel des Orchesters in die Tasten griff, das Thema aufnahm, in Varianten auslegte und sogleich die Leichtigkeit und Strahlkraft dieser Musik heranholte, in beispielhafter Einheit mit dem Orchester unter der inspirierenden Leitung von Marc Kissóczky. Die virtuose Seite ihres Spiels brachte sie sinngemäss im «Allegro maestoso» ein, die Klangschönheit und Gefühlstiefe im einmalig schönen «Andante» und das vergnügte, sprühende «Allegro vivace» war mit furiosen Läufern versehen. Ähnliches geschah in «Introduktion, Thema und Variationen für Klarinette und Orchester in Es-Dur» von Gioachino Rossini (1792–1868). Es wurde im Spiel von Sérgio Pires zum Paradestück für Virtuosität und feuriges Temperament, aber auch schmelzender Kantilene. Diese Qualität brachte ihm den Preis der Stadt Zofingen ein.