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Medienbericht vom 15. September 2016

Zofinger Tagblatt

Selektion für das Schenk-Jahreskonzert

Elf Studierende an Schweizer Musikhochschulen stellten sich der Jury zur Beurteilung

Kurt Buchmüller

Jedes Jahr können die Schweizer Musikhochschulen der Schenk-Stiftung ihre aussichtsreichsten Studierenden zur Ausscheidung der Besten unter den Guten anmelden. Eingegangen sind dieses Jahr elf Anmeldungen. Die Nominierten konnten sich am Vorspielkonzert im Stadtsaal beweisen. Die Gewinner werden am 18. November Gelegenheit haben, mit der «argovia philharmonic» zu musizieren. Dies soll ihnen, gemäss Stiftungszweck, den Weg zu einer Solistenlaufbahn ebnen.

Internationale Elite

Von den elf Mitwirkenden stammten drei aus der Schweiz, die anderen aus Frankreich, Italien, Polen, Russland und der Ukraine. Zuerst stellte sich Marek Romanowski (Polen) mit dem Konzert in D-Dur für Kontrabass und Orchester von J. B. Vanhal vor. Erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Solist dem Kontrabass den typischen, zierlichen Rokokostil entlockte, besinnliche Momente im zweiten Satz erklingen liess und seine Virtuosität in schnellen Läufen und Doppelgriffen bewies. Mateusz Kasprzak-Labudzinski (Polen) wählte mit «Introduction et Rondo capriccioso» von Camille Saint-Saëns ein Kabinettstück der Violine und meisterte souverän alle darin vorkommenden technischen Schikanen. Das gleiche gelang auch Simone Meyer (Schweiz) im Violinkonzert in g-Moll von M. Bruch, mit dem Unterschied, dass sie ein ausserordentlich klangvolles, beseeltes Spiel entfaltete und darin gestalterische Substanz einbrachte. Andrey Chernov (Russland) vertiefte sich in das Klarinettenkonzert in f-Moll von C. M Weber, holte mit weicher Tonbildung romantische Gefühlswelten hervor und löste sie durch beschwingte Läufe ab. Eurydice Vernay (Schweiz) befasste sich mit dem 4. Violinkonzert in D-Dur von Mozart. Und wieder deckte die Violine eine ganz andere musikalische Seite auf, nämlich die geniale Vielseitigkeit Mozarts mit einem lieblichen, funkensprühenden Allegro, einer Kadenz in hohen Lagen und einem Bündel an Doppelgriffen, dem sich ein melodiöses, berührendes Adagio anschloss. Die Solistin wurde beiden gerecht, musikalisch und technisch.

Chiara Opalio (Italien) kam verspätet an die Reihe. Sie war in einen Zug eingestiegen, der an Zofingen vorbeifuhr. Das Warten lohnte sich; ihre Interpretation des 2. Klavierkonzertes in B-Dur von Beethoven war ein erstrangiges Erlebnis. Im «Allegro conbrio» floss ihr der Schwung der schnellen Läufe schwerelos von den Händen und dem poesievollen «Adagio» gab sie zusätzlich Gehalt durch die eingelegten Fermaten, ein Haltepunkt für die Gefühle.

Abwechslungsreicher Nachmittag

Natasha Roqué Alsina (Frankreich) setzte das Programm fort mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll. Sie versetzte sich sofort in die düstere, gedankenschwere Stimmung des ersten Satzes. Das «Larghetto» erhielt einen beruhigenden Charakter, wiederum mit hohem Einfühlungsvermögen ausgelegt, ihr Spiel zeigte durchwegs eine hohe musikalische Kompetenz. Ebenfalls bei Mozart kehrte Stefan Wieland (Schweiz) mit einer Arie aus dem Singspiel «Ascanio in Alba» ein. Sein Countertenor kletterte auch in hohe Lagen hinauf. Abermals in andere Klangwelten der Violine führte Raphaëlle Moreau (Frankreich) mit «Poème» von Ernest Chausson. Anastasiya Petryshak (Ukraine) legte noch einen Zacken hinzu mit dem Violinkonzert Nr. 1 von Niccolò Paganini. Darin geht die Violine an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, für die Solistin kein Problem. Den Abschluss bildete Lazhar Cherouana (Frankreich) mit dem Konzert für Gitarre in A-Dur von Joaquín Rodrigo mit viel spanischem Kolorit.

Die Jury aus Marc Kissóczy (Dirigent des Orchesters «argovia philharmonic» und Professor an der Zürcher Hochschule der Künste), Dieter Ammann (Komponist und Professor an der Hochschule für Musik Luzern) sowie der Pianist Oliver Schnyder,1996 Preisträger der Stiftung Schenk, stand vor einer schwierigen Aufgabe. Sie entschied sich für Marek Romanowski (Kontrabass), Chiara Opalio und Natasha Roqué Alsina, beide Klavier.