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Medienbericht vom 21. November 2016

Zofinger Tagblatt

Nachwuchsmusiker beweisen sich

Das Jahreskonzert der Schenk-Stiftung samt Preisverleihung bleibt ein Fixstern am Musikhimmel der Stadt

Kurt Buchmüller

«Das heutige Konzert ist für mich auch ein Gedenktag an das Stifter-Ehepaar Jmanuel und Evamaria Schenk.» Mit dieser Feststellung begrüsste Raymond Oswald, Präsident des Stiftungsrates, das Publikum im Stadtsaal. Das Musikerlebnis an diesem Abend sei dem Zusammenspiel von engagierten Personen und Institutionen zu verdanken. Seit nunmehr 21 Jahren biete die UBS ihren Kunden geistigen und kulinarischen Genuss an. Er denke, dass der Stiftungszweck «Förderung junger Solisten» eine gute Tat sei, über die auch der Medienpartner Zofinger Tagblatt berichte. Die im Stiftungsrat vertretene Stadt Zofingen spende den Preis für die Besten am Jahreskonzert. Die drei Gastgeber luden nach dem Konzert auch zum Apéro ein.

Musikalische Qualität als Massstab

Der Teilnahme am Jahreskonzert geht ein mehrstufiger Auswahlprozess voraus. Zuerst nominieren die Schweizer Musikhochschulen ihre besten Talente. Jene mit den besten Referenzen treten in Zofingen an zur Qualifikation durch die Jury aus Marc Kissóczy (Dirigent des Orchesters argovia philharmonic und Professor an der Zürcher Hochschule der Künste), Dieter Ammann (Komponist und Professor an der Hochschule für Musik Luzern) sowie der Pianist Oliver A. Schnyder, 1996 Preisträger der Schenk-Stiftung. Dieses Jahr beteiligten sich elf Studierende am Vorspielkonzert. Erkoren zum Jahreskonzert wurden Marek Romanowski (Kontrabass, Polen), Natasha Roqué Alsina (Klavier, Frankreich) und Chiara Opalio (Klavier, Italien). Sie bewarben sich am Jahreskonzert bei der Zofinger Jury, bestehend aus Amando Ammann, Herbert Bättig, Rolf Lappert, Anna Merz und Adrian Zinniker um den begehrten Preis der Stadt.

Erstmals in der Geschichte der Schenk-Jahreskonzerte standen ein Kontrabass- und zwei Klavierkonzerte in Konkurrenz für den Preis der Stadt Zofingen.

Besonderes Konzertprogramm

Marek Romanowski (Kontrabass) stellte sich mit dem Konzert in D-Dur von J. B. Vaňhal (1739–1813) vor. Moderator Andreas Müller-Crepon positionierte ihn im Umfeld von Haydn und Mozart, mit denen er bekannt gewesen sei. Dies war erkennbar im heiter-beschwingten Vorspiel des Orchesters. Der Kontrabass entwickelte das Eingangsthema weiter mit einem für dieses Instrument unerwartet weichen Tonbild, schmiegte sich mit einer singenden Melodie ein und schmückte sie mit virtuosen Verzierungen. Im 2. Satz war das Orchester nur in einer kurzen Einleitung zu hören, danach reduzierte sich die Begleitung auf zwei Violinen und ein Cello.

Die feinfühlige Bogenführung im Kontrabass ermöglichte einen Reichtum an Nuancen, den man bei diesem Instrument nicht erwartet hätte. Im 3. Satz entstand ein intensiver Dialog zwischen Solist und Orchester. Hervorgehoben sei, dass Dirigent Marc Kissóczy durch das ganze Konzert das Klangvolumen des Orchesters stets in ausgewogener Balance mit dem Part der Solisten hielt.

Klavierkonzerte im Vergleich

Mozart schrieb 1786 kurz nacheinander drei Klavierkonzerte, das in c-Moll (KV 491) ist laut Andreas Müller-Crepon ein Drama in drei Sätzen. Natasha Roqué Alsina als Solistin und das Orchester versahen die Interpretation mit düsteren Ahnungen. Die Solistin konnte sie im Allegro mit perlenden Figuren etwas aufhellen. Das lyrische Larghetto versorgte die Pianistin völlig versunken in die schlichte Schönheit der Melodik, die tragische Grundstimmung verschwand jedoch nicht ganz. Die selber verfassten Kadenzen bewiesen, wie tief die Pianistin in Mozarts Musik eindringen kann. Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur ist anderer Natur, es pendelt zwischen Sturm und Drang im Allegro des 1. und 3. Satzes und von träumerischer Romantik im Adagio. Chiara Opalio wurde beiden gerecht. Ihr Augenkontakt mit Dirigent und Orchester ergab ein eng vernetztes Zusammenspiel, schnelle Läufe flossen ihr unbeschwert von den Händen, und das «Adagio» versah sie mit ausdrucksvoller Gefühlstiefe. Die Jury bewertete dies mit dem Preis der Stadt Zofingen.