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Medienbericht vom 11. September 2015

Zofinger Tagblatt

Nicht alle Talente nutzten Chance

Nur die Hälfte der Eingeladenen stellte sich der Jury zur Selektion fürs Schlusskonzert

Kurt Buchmüller

Alljährlich können die Schweizer Musikhochschulen der Schenk-Stiftung ihre aussichtsreichsten Studierenden zur Ausscheidung der Besten unter den Guten anmelden. Angeschrieben wurden acht Musikhochschulen, fünf (Basel, Bern, Lausanne, Luzern und Zürich) machten mit. Sie konnten je drei Kandidatinnen und Kandidaten nominieren. Aus den 14 Anmeldungen wählte die Jury jene zehn Studierenden mit den besten Referenzen aus und lud sie zum Vorspiel im Stadtsaal ein.

Zwei der Eingeladenen waren zum Voraus nicht abkömmlich, weitere drei mussten nachträglich wegen Krankheit die Teilnahme absagen. Schliesslich waren es noch fünf Musikerinnen und Musiker, die um die Ehre kämpften, am Schlusskonzert vom 20. November zusammen mit dem Orchester argovia philharmonic unter der Leitung von Marc Kissóczy aufzutreten. Diese Chance soll ihnen den Weg zu einer Solistenlaufbahn öffnen. Das ist der Sinn und Zweck der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung.

Vorspiel der internationalen Elite

Unter den acht anfänglich Angemeldeten befindet sich nur ein Schweizer. Das bedeutet nicht, dass hier wenig talentierter Nachwuchs existiert, sondern dass die Schweizer Musikhochschulen einen hervorragenden Ruf mit internationaler Ausstrahlung geniessen. Davon legte auch Denys Zhdanov (Hochschule Luzern) ein Zeugnis ab. Er wählte dazu das Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart. Es gelang dem Solisten, die im Allegro wohnende düstere Atmosphäre hervorzuheben und im innigen Larghetto für den Ausgleich zu sorgen. Seine Partnerin hatte die Aufgabe, eine grosse Orchesterbesetzung abzubilden, und machte dies mit solcher Bravour, dass man sich manchmal fragte, wer hier der Solist ist.

Marina Viotti (Musikhochschule Lausanne) wandte sich den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner zu, worin dieser fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck vertont, mit der er ein Verhältnis hatte. Entsprechend pathetisch und wagnerisch schwülstig ist ihre Stimmung. Die Sängerin konnte ganz ihrem weichen, steigerungs- und modulationsfähigen Mezzosopran vertrauen und so auf jegliche zusätzliche Gestik verzichten.

Am Nachmittag ging es weiter mit dem Cellokonzert in C-Dur von Arthur Honegger, gespielt von Joachim Müller-Crepon, Sohn von Andreas Müller-Crepon, der jahrelang die Schlusskonzerte der Schenk-Stiftung moderierte. Das Stück ist sehr kontrastreich, es wechselt fortlaufend von singenden, melodischen Partien zu wilden, energiegeladen Passagen, wo der Solist seine Virtuosität einbringen konnte, was besonders in der Kadenz mit einem Schwall von Doppelgriffen der Fall war. Das Gegenstück dazu war das Klarinettenkonzert in A-Dur (KV 622) von Mozart, gespielt von José Andrés Fernández Camacho. Es war eine Interpretation mit ausserordentlich sensibler Tonbildung und dynamisch sorgfältiger Gestaltung, sein Pianissimo im berührenden «Adagio » war nur noch ein Hauch. Die Begleiterin Georgiana Pletea deckte mit derselben Feinfühligkeit den Orchesterpart ab. Corinna Döring beendete das Solisten-Vorspiel mit dem Flötenkonzert in D-Dur von Carl Reinecke. Es war ein schwungvolles, fröhliches Finale, ausgestattet mit funkelnder Virtuosität.

Schwierige Aufgabe der Jury

Obwohl nur fünf Vorträge zu beurteilen und zu bewerten waren, fiel es der Jury aus Marc Kissóczy (Dirigent, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste), Dieter Ammann (Komponist und Professor an der Musikhochschule Luzern) und Eva Zurbrügg (Fach- und Staatsexpertin an den Schweizerischen Hochschulen für Musik) nicht leicht, die Wahl zur Teilnahme am Schlusskonzert zu treffen. Sie entschied sich für José Andrés Fernández Camacho (Klarinettenkonzert von Mozart KV 622), Marina Viotti (Wesendonck-Lieder von Wagner), Joachim Müller-Crepon (Cellokonzert von Honegger) und Corinna Döring (Flötenkonzert von Reinecke).