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Medienbericht vom 23. November 2015

Zofinger Tagblatt

Jubiläumsfeier eines grossen Geschenks

Zofingen Die Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung feierte im Stadtsaal ihren 20. Geburtstag

Kurt Buchmüller

Wer frühzeitig zum Besuch des Jubiläumskonzerts in den Stadtsaal kam, wurde mit einer besonderen «Ouvertüre» begrüsst: Zwischen 18.45 und 19.15 Uhr spielten Schülerinnen und Schüler der Musikschule Zofingen im kleinen Saal. Vielleicht ist dies der Anfang eines Weges, der später auch auf die Bühne des Stadtsaals führt. Das Wirken der Stiftung in den vergangenen zwanzig Jahren dokumentierten im Foyer die Porträts der 72 durch die Stiftung geförderten Musikstudierenden.

Förderung auf höchster Stufe

«Einmal im Jahr kann ich etwas Gutes tun», freute sich Raymond Oswald, Präsident des Stiftungsrates, in der Begrüssung. Er bezog sich dabei auf das Stifterpaar Jmanuel und Evamaria Schenk. 1995 habe es zusammen mit dem Aargauer Symphonie Orchester unter der Leitung von Räto Tschupp und dem Schweizerischen Bankverein (heute UBS) eine Stiftung zur Starthilfe für junge Musikstudierende gegründet. Sie sollten die Chance erhalten, in Begleitung eines professionellen Orchesters ihre solistische Begabung an einem öffentlichen Konzert vorzustellen und dadurch eine Plattform zur Solistenlaufbahn erhalten. Um die Stiftung fest im Kulturleben der Stadt zu verankern, habe das Ehepaar Schenk verlangt, dass der jeweilige Stadtammann im Stiftungsrat vertreten sein müsse. Bis jetzt seien dies Urs Locher und Hans Ruedi Hottiger gewesen. Inzwischen habe sich auch das «Zofinger Tagblatt» zum verlässlichen Medienpartner entwickelt. Dem Jahreskonzert 1997 sei zwar ein Artikel mit einem Schwarz-Weiss-Foto gewidmet worden, der Bericht über eine Kaninchenausstellung auf der gleichen Seite habe jedoch ein Farbfoto erhalten. Stadtammann Hottiger sah im Jahreskonzert der Stiftung einen musikalischen Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt, wo qualitativ hochstehende Musikerlebnisse vermittelt werden.

Am Vorstellungskonzert wählte die Jury vier Solistinnen und Solisten für das Jubiläumskonzert aus. Dort stellte sie und ihr Selbstwahlstück jeweils Regi Sager, Moderatorin am Schweizer Radio SRF 1, vor. Den Anfang machte José Andrés Fernández Camacho mit dem Klarinettenkonzert in A-Dur (KV 622) von Mozart. Es ist eines seiner letzten Werke, geschrieben wenige Wochen vor dem Tod. Der Solist gab ihm eine sehr individuelle Note mit ungemein feinfühliger Tonbildung, weicher Modulation und Gefühlstiefe. Das innige Adagio erhielt eine singende, beseelte Auslegung, an der auch die mit allen Feinheiten versehene Orchesterbegleitung beteiligt war. Die gleichen Fähigkeiten zur ausdrucksstarken Interpretation bewies auch Marina Viotti mit ihren ebenso weichen wie klangvollen Mezzosopran in Richard Wagners «Wesendonck-Liedern». Darin verarbeitet der Komponist die Qualen und Gefühlswelten einer unerfüllten Liebe. Um diese darzustellen, konnte die Sängerin allein auf die Schwingungen und Beweglichkeit ihrer Stimme vertrauen, auf Gestik zur Betonung von pathetischen Passagen verzichtete sie fast gänzlich.

Die Besten unter den sehr Guten

Oliver Schnyder ist einer der wenigen, denen der Sprung vom Jahreskonzert der Schenk-Stiftung zur Solistenkarriere gelungen ist. Er erzählte nach der Pause, dass er 1996 eine Woche lang mit dem Aargauer Symphonie Orchester unter der Leitung von Räto Tschupp das Klavierkonzert in A-Dur (KV 488) von Mozart einüben durfte. Vorgesehen sei nur der erste und zweite Satz gewesen, dann sei aber auch noch der dritte dazugekommen. Er habe ja eine ganze Nacht Zeit, um daran zu arbeiten, erklärte der Dirigent beruhigend. Dass Oliver Schnyder dies gelungen ist, galt für ihn wie ein Sechser im Lotto. Professor Michael Eidenbenz, Direktor Departement Musik an der Zürcher Hochschule der Künste, stufte die Schweizer Musikhochschulen auf höchstem Niveau ein. Die Schenk-Stiftung schliesse eine Lücke zwischen Ausbildung und Karriere.

Nun war Joachim Müller-Crepon an der Reihe für seinen Vortrag. Er wählte dazu das Konzert für Violoncello und Orchester von Arthur Honegger, ein sehr widersprüchliches und kontrastreiches Werk im Wechsel zwischen lyrisch singenden und stürmisch aufbrausenden Passagen mit scharfen Akzenten, die vom Orchester wie den Solisten höchste Präzision in den Einsätzen einerseits und Virtuosität andererseits verlangten.

Den Abschluss bildete Corinna Döring mit dem Konzert für Flöte und Orchester in D-Dur von Carl Reinecke. Auch hier trafen Kontraste aus romantisch-lieblichen Partien der Solistin und markanten Einsätzen des Orchesters aufeinander, von Dirigent Marc Kissóczy effektvoll gesteuert. Nun begab sich die Konzertjury aus Anna Merz, Cécile Vilas, Amando Ammann, Urs Locher und Adrian Zinniker in Klausur. Sie erkor einhellig Joachim Müller-Crepon zum Gewinner des Preises der Stadt Zofingen, den Stadträtin Christiane Guyer überreichte.