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Medienbericht vom 10. November 2014

Zofinger Tagblatt

Musikalisches Spiel um den Meistertitel

Am Schlusskonzert der Schenk-Stiftung rangen vier junge Talente um den Preis der Stadt

Kurt Buchmüller

Zur Selektion an der Teilnahme können die Schweizer Musikhochschulen ihre aussichtsreichsten Studierenden zum Vorspiel anmelden. Eine Jury aus Berufsmusikern bewertet dann die etwa zwanzigminütigen Vortragsstücke. Die von ihr Auserkorenen dürfen dann ihr Solo mit dem Orchester argovia philharmonic unter der Leitung von Marc Kissóczy einüben und am Schlusskonzert im Stadtsaal vortragen.

Dieses Jahr waren es Tiago Patrocínio Coimbra aus Portugal (1990, Oboe, Hochschule für Musik Basel), Filip Horinek aus Tschechien (1991, Klavier, Hochschule Luzern – Musik), Damien Bachmann, Genf (1991, Klarinette, Hochschule Luzern – Musik) und Asija Ahmetzanova, Riga/Lettland (1992, Klavier, Hochschule Luzern – Musik). Alle haben schon eine breite musikalische Ausbildung absolviert und konnten bereits Konzerterfahrung sammeln. Ihr Studium an Schweizer Musikhochschulen bestätigt deren internationales Ansehen. Die Mitwirkung am Schlusskonzert könnte ein weiterer Baustein in ihrer Solistenlaufbahn sein.

Musikalisch grosszügige Stadt

Es sei der Wunsch des Stifterehepaares Jmanuel und Evamaria Schenk gewesen, dass auch ein offizieller Vertreter der Stadt, vorzugsweise der Ammann, im Stiftungsrat sitze, erklärte Präsident Raymond Oswald in der Begrüssung. Das erleichtere den Zugriff auf den Weinkeller der Stadt für den Apéro nach dem Konzert. Jener auf die Stadtkasse für den Preis der Stadt an den Gewinner des Schlusskonzertes habe die Zustimmung von Stadträtin Christiane Guyer benötigt, sei aber auch gesichert, ebenso das Sponsoring der UBS Zofingen. Diese garantiere für weitere drei Jahre die Abnahme von Eintrittskarten für ihre Kunden. Da auch die Medienkooperation mit dem «Zofinger Tagblatt» gewährleistet sei, könnten viele lesen, was sie eventuell heute Abend verpasst hätten, nämlich den Auftritt vielversprechender junger Talente, ausgewählt von der Jury aus Marc Kissóczy, Dieter Ammann und Eva Zurbrügg.

Die schwierigste Herausforderung der Solisten ist die Vernetzung des technischen Könnens mit dem musikalischen Ausdrucksvermögen im Kontakt mit dem Orchester. Tiago Patrocínio wählte dazu das Konzert für Oboe und Orchester in C-Dur (KV 314) von Mozart. Die luftig-transparente Einleitung des Orchesters fand Fortsetzung in der Tonbildung der Oboe, wobei zu sagen ist, dass es bei Mozart eben immer leicht und schwerelos tönt, was aber nur gelingt, wenn die Sensibilität dafür vorhanden ist. Dies gelang Tiago Patrocínio besonders gut mit der weichen und melodiösen Tongebung im Adagio non troppo. Im überschwänglichen, beschwingten Rondo-Allegro schlug zwischen Solist und Orchester der gleiche Puls.

Einen ganz anderen Charakter trug das 1. Klavierkonzert in Es-Dur von Franz Liszt. Er habe daran mehr als zwanzig Jahre gearbeitet, erzählte Moderator Andreas Müller-Crepon. Liszt, ein fantastischer Virtuose, setzt darin alles ein, was an technischen Raffinessen verfügbar ist: lange, rasende Läufe, endlose Triller und weitgriffige Akkorde. Der Solist Filip Horinek folgte diesem Stil mit beeindruckender technischer Sicherheit und zupackenden Akzenten, im Pathos der Tutti vom Orchester kräftig unterstützt.

Ausdrucksvarianten

Das 1. Klarinettenkonzert in f-Moll von Carl Maria von Weber vereinigt Virtuosität mit gefühlvoller Kantilene. Genau dies war das Merkmal im Spiel von Damien Bachmann. Seine Tongebung blieb immer nuanciert, auch in schwierigen Passagen mit grossen Sprüngen zwischen hoch und tief und erst recht im hochromantischen zweiten Satz sowie im witzig-spritzigen Rondo-Allegretto mit seinem fulminanten Finale.

Ähnliche Qualitäten brachte auch Asija Ahmetzanova im Klavierkonzert in d-Moll (KV 466) von Mozart ein. Das Orchester drückte in der Einleitung zum ersten Satz eine düstere Unruhe aus, die vom Klavier aufgegriffen und im zweiten Satz in klärende, ergreifende Ruhe verwandelt wurde. Und wiederum erfolgte ein Stimmungswechsel in ein dramatisches zweites Thema, von der Pianistin eindrücklich ausgemalt.

Den Preis der Stadt Zofingen in der Höhe von tausend Franken erhielt Damien Bachmann aus den Händen von Christiane Guyer.