Zurück zur Übersicht

Medienbericht vom 25. November 2013

Zofinger Tagblatt

Spiel der Besten um den Zofinger Preis

Am Jahreskonzert der Schenk-Stiftung rangen vier Nachwuchstalente um die Spitze

Kurt Buchmüller

Vorangegangen war dem Jahreskonzert der Schenk-Stiftung ein langer Ausscheidungsprozess. Vorerst wählten die neun Schweizer Musikhochschulen unter ihren Studierenden diejenigen aus, welche eine Chance hatten, in die Endrunde zu kommen und meldeten diese zum Vorspiel an. Die Jury lud dann von den Nominierten die Aussichtsreichsten zum Vorspielkonzert ein. In der Regel sind dies zehn Studierende, alle mit der Hoffnung auf eine Solistenkarriere. Vier von ihnen erhielten die Chance zur Teilnahme am Jahreskonzert, wo sie zusammen mit dem professionellen Klangkörper dem Argovia Philharmonic auftreten konnten. Dieser Auftritt gilt als Ansatz zur weiteren Laufbahn mit der Perspektive, in die Klasse der Solisten vorzustossen.

Internationales Wettspiel

Die vier Eingeladenen haben in der musikalischen Ausbildung einiges gemeinsam: Sie begannen sehr jung damit, haben schon mehrere Wettbewerbe bestanden und Auszeichnungen erhalten, konnten bereits etwas Konzerterfahrung sammeln und setzten ihre Studien an einer Schweizer Musikhochschule fort. Auch auf diesem Gebiet geniesst Schweizer Qualität offenbar einen guten Ruf. Kie Umehara (1984) stammt aus Tokyo und besuchte dort ein College of Music. Seit 2008 studiert sie in der Schweiz, anfangs an der Musik Akademie Basel und ab 2009 an der Hochschule für Musik Luzern, wo sie gegenwärtig den Master Solo Performance Kurs für Klarinette absolviert. Miriam Prandi (1990) erhielt bereits im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht in Imola (Emilia Romagna) und ein Jahr später liess sie sich am Konservatorium Mantua auch auf dem Cello ausbilden. Mit 16 Jahren schloss sie beide Studien «cum laude» ab. Zurzeit arbeitet sie an der Hochschule der Künste in Bern am «Master of Specialized Music Performance».

Gyorgi Spasov (1985) begann seine Ausbildung auf dem Akkordeon in Skopje (Mazedonien) und setzte sie in Plovdiv (Bulgarien) fort. Gegenwärtig befasst er sich ebenfalls an der Hochschule der Künste in Bern mit dem «Master of Specialized Music Performance». Vito Alessio Pianello (1989) erhielt im Alter von zehn Jahren den ersten Cellounterricht und acht Jahre später sein erstes Diplom mit Auszeichnung. 2012 erlangte er an der Musik Akademie Basel den Titel eines «Master of Arts in Music Performance».

Individuelles Zusammenspiel

Mit dem Argovia Philharmonic unter der Leitung von Marc Kissóczy hatten die Solisten einen Partner, der trotz der kurzen Vorbereitungszeitsehr einfühlend auf ihr Selbstwahlstück einging und nur eine dominante Rolle übernahm, wenn es die Komposition verlangte. Kie Umehara wählte das Klarinettenkonzert Nr. 1 in C-Dur von Carl Maria von Weber, ein Paradestück für dieses Instrument. Die Solistin holte daraus alle Feinheiten und Nuancen hervor, gab ihm im ersten Satz ein akzentreiches Spiel und im zweiten den Überschwang romantischer Gefühlswelten. Es erstaunt immer wieder, wie fernöstliche Interpreten sich darin einbringen können, obwohl ihnen diese Stimmungsbilder kulturhistorisch gesehen eigentlich fremd sind. Ihre virtuosen Fähigkeiten bewies sie im heiter-beschwingten 3. Satz. Typisch klassischen Charakter trug das Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn.

Miriam Prandi übernahm aus der Exposition des Orchesters einzelne Teile und malte sie mit satten Klangfarben aus, einen intensiven Dialog zwischen den Tutti-Blöcken des Orchesters und ihren Soli führend. Das Adagio erklang ganz im Sinn einer Kantilene und das Allegro erhielt einen virtuosen Schwung. Gespannt war man nun auf die Interpretation des Cembalokonzertes in f-Moll von Joh. Seb. Bach, bearbeitet für Akkordeon. Das Orchester gab dem Werk den unverkennbaren Duktus des Barocks, Gyorgi Spasov fügte sich darin ein mit den etwas fremdartig wirkenden Klangbildern des Akkordeons. Ganz in die Nähe kam das Akkordeon dem Original im zweiten Satz mit der berührenden, feierlich-besinnlichen Melodie aus einer Bachkantate. In den Rokoko-Variationen für Cello und Orchester verbeugt sich Tschaikowsky vor Mozart. Vito Alessio Pianello liess dessen Stil in seiner ganzen Bandbreite erklingen, zärtlich, anmutig, lyrisch, figurenreich am Anfang, furios-virtuos in der Schlussvariation. Der Würfel war nun gefallen. Die Kantischüler mit dem Wahlfach «Musik» erkoren ihn zum Sieger.