Zurück zur Übersicht

Medienbericht vom 12. September 2012

Zofinger Tagblatt

Selektion der Besten unter den Guten

Vier Schweizer Musikhochschulen schickten ihre aussichtsreichsten Talente zur Bewertung durch die Jury

Kurt Buchmüller

Seit der Gründung der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung im Jahr 1995 findet dieses Solistenvorspiel alljährlich im Zofinger Stadtsaal statt. Die fünf Schweizer Musikhochschulen – die Zürcher Hochschule der Künste, die Hochschulen für Musik in Basel und Luzern sowie die Musikhochschule Lausanne – meldeten dazu ihre begabtesten Studierenden der obersten Ausbildungsstufe an, versehen mit den Referenzen ihrer Professoren und den Zeugnissen über die bisherige Ausbildung. Keine Anmeldung kam dieses Jahr vom Conservatorio della Svizzera Italiana. Insgesamt gingen zwölf Bewerbungen ein. Zehn der Angemeldeten, alle kurz vor dem Studienabschluss als «Specialized Master Solist» (früher Solistendiplom,) erhielten die Chance zum Vorspiel. Einer kam nicht.

Bewährungsprobe vor Publikum

Ziel des Solistenvorspiels ist die Qualifikation zur Teilnahme am Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung (mehr dazu unter www.schenk-stiftung.ch). Die von der Jury auserkorenen Besten der Besten erhalten am Jahreskonzert die Gelegenheit, als Solist zusammen mit dem Aargauer Symphonie Orchester ASO unter der Leitung von Marc Kissóczy vor Publikum aufzutreten. Damit könnte vielleicht eine Solistenlaufbahn mit Orchesterbegleitung auch in anderen Konzertsälen beginnen. Ausser Marc Kissóczy gehören zur Jury auch Ivo Haag (Konzertpianist und Dozent an der Musikhochschule Luzern) und Dieter Ammann (Komponist und Professor an der Musikhochschule Luzern). Sie nahmen an einem Tisch gegenüber den Vorspielenden Platz und machten eifrig Notizen. Zugegen war sowohl am Vormittag wie am Nachmittag eine ansehnliche Anzahl Zuhörer. Im Gegensatz zur Jury konnten sie sich an diesem Wettbewerb ganz dem Reiz vielfältiger Hörerlebnisse und der Art, wie die Interpreten damit umgingen, hingeben.

Querschnitt durch Konzertliteratur

Die zur Selektion angetretenen Solistinnen und Solisten spielten ihr Selbstwahlstück ausnahmslos mit Klavierbegleitung. Letztere musste ein ganzes Orchester ersetzen, eine sehr schwierige Aufgabe. Besonders deutlich wurde dies im Klavierkonzert a-Moll von Edvard Grieg. Den Solopart spielte Mari Tada, eine kleine, zierliche Person. Schon in den ersten Takten wurde deutlich, welche Ausdruckskraft ihr innewohnt. Sie gab den schneidenden Akkorden zu Beginn die gleiche Intensität wie den nachfolgenden sanften Passagen. Ihr folgte Philipp Hutter (Trompete). Er trug das Trompetenkonzert e-Moll von Oskar Böhme vor, ein Stück mit vielen verzierenden Figuren und grossen Tonsprüngen, was ihm überhaupt keine Mühe machte. «The Nocturnal Dances of Don Juanquixote» von Aulis Sallinen zeichnet musikalisch die Eskapaden des Ritters ohne Furcht und Tadel nach, wozu Joonas Pitkänen alle Raffinessen seiner Virtuosität einsetzte. Nach diesen abstrakten Tonbildern kamen umso mehr der Wohlklang und die Musikalität zur Geltung, die Manuela Fuchs im Trompetenkonzert Es-Dur von Nepomuk Hummel verbreitete.

Instrumentale Vielfalt

Am Nachmittag führte Witold Moniewski im Konzert h-Moll von Giovanni Bottesini vor, welche Beweglichkeit der Koloss «Kontrabass» unter seinen Händen erreicht. Diese Flexibilität schien im Violinkonzert KV 211 von Mozart im Spiel von Sebastian Bohren eine Selbstverständlichkeit zu sein; technisch war er seiner Sache absolut sicher. Leidenschaftliche, ständig wechselnde Stimmungs- und kontrastreiche Klangbilder malte Elsa Dorbath im Cellokonzert Nr. 1 von Schostakovitsch aus. Offensichtlich war sie völlig versunken in die Interpretation dieses Szenarios.

Eine Überraschung war die erstmalige Teilnahme eines Akkordeons am Solistenvorspiel. Christel Sautaux öffnete in «Sinfonische Fantasie» von Ole Schmidt den Zugang in bislang unbekannte Klangwelten. Einen Ausflug in die widersprüchlichen Gefühlswelten der Romantik unternahm Constantin Macherel mit dem Cellokonzert h-Moll von Schumann, getragen von einem intensiven Dialog mit dem begleitenden Klavier. Die Jury nominierte für das Jahreskonzert am 2. November ab 19.30 Uhr im Stadtsaal Mari Tada (Klavier), Manuela Fuchs (Trompete), Christel Sautaux (Akkordeon) und Constantin Macherel (Cello).