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Medienbericht vom 08. November 2011

Zofinger Tagblatt

Treffpunkt hochbegabter Talente

Jahreskonzert der Schenk-Stiftung stellte die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs vor

Kurt Buchmüller

Die Hochschulen der Künste von Bern und Zürich, die Hochschule für Musik in Basel und des Conservatorio della Svizzera Italiana in Lugano nominierten ihre besten Studierenden für das Vorspielkonzert am 21. September. Zehn wurden zugelassen, vier von ihnen erkor die Jury zur Teilnahme am Jahreskonzert. Den Zofinger Publikumspreis vergaben in geheimer Wahl die zum Jahreskonzert eingeladenen Kantonsschülerinnen und-schüler. «Sie wurden im Fach Musik darauf vorbereitet», erklärte ihre Lehrerin Ruth Soland. «Die Kriterien waren musikalische Kompetenz, Intonation, fehlerfreie Interpretation, Ausstrahlung, Präsentation und Wirkung auf das Publikum.» Am meisten Punkte sammelte die Sopranistin Regula Mühlemann mit Mozarts «Exultate, Jubilate». Auch für die Mehrheit der Anwesenden verkörperte sie eine sich mit ihrem Vortrag identifizierende Musikerin.

Support für angehende Solisten

Am Jahreskonzert können Solisten in Begleitung des Orchesters «Collegium Musicum Basel» vor die Öffentlichkeit treten. «Sie brauchen diese Unterstützung als Trittbrett für ihre Karriere », erklärte Stiftungsratspräsident Raymond Oswald bei der Begrüssung im praktisch vollbesetzten Stadtsaal. Der anwesende Oliver A. Schnyder bestätigte dies. Am Jahreskonzert 1996 habe er mit einem Klavierkonzert von Mozart den 1. Preis gewonnen und seither als Pianist international Karriere gemacht. Nicht zugegen sei am Jahreskonzert die Stifterin Evamaria Schenk. Im September habe sie sich in Spitalpflege begeben müssen. Diese sei zwar erfolgreich verlaufen, aber in der Nacht zum Vorspielkonzert habe sie einen Rückschlag erlitten und sich davon bis heute nicht mehr erholen können. An der Preisübergabe werde sie durch Dorothee Stich vertreten.

Ein musikalisches Erlebnis entsteht durch technische Kompetenz und emotionales Einfühlungsvermögen. So wie die Operndiva in ihre Stimme die ganze Gefühlswelt einbringen könne, gelinge dies Nils Kohler auch mit der Klarinette, erklärte Moderator Andreas Müller-Crepon. Genau diese Qualität war in der Wiedergabe des Klarinettenkonzertes Nr. 1 in f-Moll von Carl Maria von Weber vernehmlich. Der Solist holte die überschwängliche Stimmung der Romantik in Reinkultur heraus und verfügte über den langen Atem, um in singender Melodik zu schwelgen und lange Girlanden von schnellen, virtuosen Passagen zu winden. Zur technischen Souveränität gesellte sich ein ausgeprägtes Empfinden für die dynamische Ausgestaltung der im Konzert vorkommenden Stimmungsbilder.

Ungemein packend

Janka Simowitsch zeichnete in Schumanns Klavierkonzert in a-Moll opus 54 mit scharfen Konturen die Auseinandersetzung zwischen Florestan und Eusebius nach. Für den Komponisten verkörperte Florestan den feurigen, leidenschaftlichen und energischen Teil seines Wesens und Eusebius den nachdenklichen, sinnenden und schwärmerischen. Dem dominanten Auftakt des Orchesters folgt ein rhythmischer, abwärts stürzender Akkordschlag des Klaviers. Die Holzbläser leiten dann das träumerische Hauptthema ein. Diesen Rollenwechsel zwischen Florestan und Eusebius vollzogen Solistin und Orchester im Gleichschritt aufeinander abgestimmt. So gelang eine ungemein packende Interpretation. – «Den Erfolg mit Jubel versehen»: So beschrieb Andreas Müller-Crepon die Motette «Exultate, Jubilate», die Mozart 1773 auf seiner ruhmreichen Italienreise schrieb. Sie beginnt mit «Jauchzet, jubelt, ihr glücklichen Seelen». Regula Mühlemann gab diesem Glücksgefühl ihre strahlende, tragfähige und nuancenreiche Stimme, ohne jegliche Anstrengung in höchste Koloraturen hinaufkletternd. Dirigent Marc Kissóczy sorgte mit ausgleichenden Gesten für die Balance zwischen Orchester und Solostimme.

Für eine Überraschung sorgte Benjamin Gregor-Smith mit dem finalen Cellokonzert von William Walton. Gelassen, ohne eine Miene zu verziehen, bewältigte er mit seiner geschmeidigen Bogenführung die schwierigsten Passagen und bewies sein Geschick im Umgang mit Glissando, Flageolett, Pizzicato und Doppelgriffen. Im Orchester fand er einen ebenbürtigen Partner im Formulieren fantastischer Klangbilder in spätromantischer Sprache.