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Medienbericht vom 25. September 2010

Zofinger Tagblatt

Hearing mit vielen hoffnungsvollen Talenten

Die Jury der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung hörte sich die zehn besten Musik-Studierenden an

Kurt Buchmüller

Die Schweizer Musikhochschulen konnten ihre talentiertesten Studentinnen und Studenten zum Vorspiel im Stadtsaal anmelden. Eingegangen sind 23 Bewerbungen. Zehn konnten sich der Jury mit einem von ihr gewählten Stück vorstellen. Das von Adrian Zinniker moderierte Vorspiel soll dem musikalischen Nachwuchs die Chance geben, öffentlich als Solist mit Orchesterbegleitung aufzutreten. Nur drei der Teilnehmenden können den Sprung zum Schlusskonzert am 5. November schaffen. Ihnen kann vielleicht der Durchbruch in die erste Liga der internationalen Solisten gelingen. Die Stiftung möchte ein Wegbereiter dazu sein. Die Konkurrenz ist international. Von den zehn Studierenden kommen zwei aus der Schweiz, drei aus China und je einer aus Singapur, Ungarn, Weissrussland, Russland und der Ukraine.

Tour durch die klassische Literatur

Verlangt wurden von ihnen Personalien, Lebenslauf, Studiengang, eine Liste der bisher mitgemachten Musikwettbewerbe, ein Empfehlungsschreiben der Musikhochschule und drei Vorschläge zum Vorspielen. Alle Ausgewählten konnten Diplome vorweisen, die meisten verschiedene Auszeichnungen und Preise; viele sind Mitglieder von Orchestern oder Ensembles und alle traten schon als Solisten auf, wenn auch nicht in Begleitung von Sinfonieorchestern. Aus diesem musikalischen Hintergrund ergab sich am Vorspielkonzert ein abwechslungsreiches Programm.

Den Anfang machte Kazune Semba. In der Empfehlung wird sie als ausserordentlich begabte Studentin mit technischer Leichtigkeit und natürlicher Musikalität vorgestellt. In den zur Verfügung stehenden zwanzig Minuten bewies sie das mit einem Ausschnitt aus dem Klavierkonzert KV 488 von Mozart durch eine ausgewogene Interpretation. Das nachfolgende Klarinettenspiel sei nicht nur eine Freude zum Hören, sondern auch zum Zuschauen, heisst es in Zsófia Györffys Empfehlung. Sie ging völlig auf in ihrem Vortrag, gab ihm Schwung auch durch die Körpersprache und vollführte mühelos gewaltige Tonsprünge zwischen Hoch und Tief. Mit entspannter Ruhe und inniger Melodik versah Tsujimoto Rei das Cellokonzert in D-Dur von Haydn. Als aussergewöhnlicher Pianist trat Pavel Yeletskiy im Klavierkonzert Nr. 3 von Rachmaninow in Erscheinung. Es gehört zu den schwierigsten der Klavierliteratur; das darin pochende russische Herz wurde nachvollziehbar hörbar.

Solistische Raritäten und Finessen

Auch Ivan Korenev griff mit dem Cellokonzert Nr. 1 von Schostakowitsch nach der Musik seiner Heimat, gab dem ersten Satz eine treibende Bewegung und stellte ihr im zweiten eine melancholische Stimmung gegenüber. Am Nachmittag setzte Mischa Cheung, Sohn schweizerisch-chinesischer Eltern, das Vorspiel mit dem Klavierkonzert Nr. 2 von Chopin fort. Sein Lehrer Konstatin Scherbakow sieht in ihm einen hervorragend talentierten Pianisten. Das differenzierte Ausmalen der Kontraste in diesem Stück bestätigte diesen Eindruck.

Mirjana Reinhard bezeugt ihr Lehrer einen wunderbaren Ton, eine stupende Technik und hohe Musikalität. Dieses Urteil bestätigte die Solistin, indem sie im Cellokonzert Nr. 1 von Camille Saint-Saëns ein rasendes Tempo anschlug und trotzdem alle Nuancen einbrachte. Die Ansprüche an hohe Virtuosität und musikalische Ausdrucksfähigkeit erfüllte auch Maristella Patuzzi mit Ravels «Tzigane». Das Stück enthält alles, was das Violinspiel an technischen Raffinessen bieten kann. Meisterhaft in musikalischer wie technischer Hinsicht erklangen unter den Händen von Valentyn Valentiyev auch die zwei Sätze aus Beethovens 3. Klavierkonzert. Es lagen spannungsgeladene Emotionen darin, aber auch eine absolute Transparenz in der Tonbildung. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Notentext und starke Emotionalität wird auch Mi Zhou bescheinigt. In Schumanns Cellokonzert in a-Moll konnte sie diese Qualitäten einbringen.

Schlusskonzert am 5. November

Die Jury hatte die schwierige Aufgabe, anhand von je vier Klavier- und Cellokonzerten sowie einem Violin- und einem Klarinettenkonzert die besten Interpreten zu qualifizieren. Sie entschied sich für Kazune Semba, Klavier, Mirjana Reinhardt und Mi Thou, beide Cello. Am Schlusskonzert vom 5. November werden sie in Begleitung des Collegium Musicum Basel die vollständige Fassung ihrer Vortragsstücke spielen.