Zurück zur Übersicht

Medienbericht vom 09. November 2010

Zofinger Tagblatt

Ein sinnstiftendes und dauerhaftes Geschenk

Das Jubiläumskonzert bezeugte den kulturellen Wert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung

Kurt Buchmüller

Sie hat Fuss gefasst, die Initiative des Stifterehepaares. Seine Idee, Musik Studierenden der obersten Ausbildungsstufe zu einem Auftritt mit Orchester als Starthilfe zur Solistenlaufbahn zu verhelfen, zeigt Früchte, nicht zuletzt im lokalen Kulturleben. Der restlos besetzte Stadtsaal darf aber auch als Sympathiekundgebung für Evamaria Schenk betrachtet werden, der Seele und Trägerin dieses Vermächtnisses. Das Geschenk der Stiftung strahle aus, sagte Moderator Andrea Müller-Crepon in der Begrüssung. Soeben habe in Lugano ein Konzert des Orchestra della Svizzera Italiana mit einem ehemaligen Wettbewerbs-Teilnehmer der Schenk-Stiftung als Solist stattgefunden.

Zur Institution geworden

Nach 15 Jahren seien die Konzerte der Schenk-Stiftung fest verankert, nicht nur in Zofingen, erklärte Stiftungsratspräsident Raymond Oswald. Auch in Aarau habe man die davon ausgehenden Signale empfangen. Vom Regierungsrat sei ein bedeutender Beitrag aus dem Swisslos-Fonds gesprochen worden. Wie gewohnt spende die Stadt Zofingen auch in diesem Jahr den Publikumspreis von eintausend Franken. Er gehe an den von den Studentinnen und Studenten des Grundlagenfachs Musik der Kanti Zofingen erkorenen Lieblingssolisten. Die Stadt übernehme auch den Jubiläumsapéro nach dem Konzert.

Im Rahmen ihres Kulturengagements begleitet die UBS die Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung seit der Gründung 1995 als Sponsor. Das sei auch nicht zur Diskussion gestanden, als die Bank vor 2008 von der Finanzkrise erfasst wurde, erklärte Myriam Burtscher, Leiterin Vermögensberatung Region Aargau/Solothurn. Sie habe das Wissen und die Ausstrahlung von Evamaria Schenk an einem dreistündigen Mittagessen kennengelernt. Seither gelte auch für sie das Zitat: «Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.»

Sich musikalisch sofort verstanden

Die Jury stand vor einer sehr schwierigen Aufgabe, als sie aus den zehn am Vorspiel Teilnehmenden die drei besten auswählen musste. Die Wahl fiel auf Kazune Semba (Japan, Klavier), Mirjana Reinhard (Schweiz, Cello) und Mischa Cheung (Klavier), Sohn schweizerisch-chinesischer Eltern. Typisch für alle drei ist, dass sie schon in frühester Kindheit Musikunterricht erhielten und nach der Ausbildung an Musikhochschulen und in Meisterkursen erste Konzerterfahrungen als Solisten sammeln konnten. Zur Einstudierung ihres Konzertstückes mit dem Collegium Musicum Basel stand ihnen nur etwa ein Monat zur Verfügung. Sie müssen einander sofort verstanden haben, wie das enge Zusammenspiel im Konzert unter der Leitung von Marc Kissóczy zeigte.

Kazune Semba trat mit dem Klavierkonzert in A-Dur (KV 488) an, einem der berühmtesten von Mozart. Er schrieb es während der Arbeit an der Oper «Figaros Hochzeit», was Spuren hinterlassen hat. Das Orchester setzte in reduzierter Besetzung mit einem weichen, geschmeidigen Klangbild ein, die Solistin nahm das singende und fröhliche Hauptthema auf, setzte es mit dem schmeichelnden Seitenthema fort, hob die Kontraste hervor und fand wieder den Ausgleich mit ihrem sanft gleitenden, ausgewogenen Anschlag. Der zweite Satz begann mit einem tiefgründigen, mit Melancholie, Trauer und Schmerz gefüllten Klaviersolo, von der Pianistin einfühlend nachvollzogen. Den dritten Satz versah sie mit jener durchgehenden, strahlenden Heiterkeit, die ihn zu Mozarts Meisterwerk macht.

Solistische Paradestücke

Das Cellokonzert in a-Moll opus 33 von Camille Saint-Saëns verlässt das klassische Schema des dreisätzigen Konzertes, vermischt den Solopart häufig wechselnd mit Orchestereinsätzen und entfacht so einen ständigen intensiven Dialog. Mirjana Reinhard und Marc Kissóczy gestalteten dieses Spiel mit hoher Präsenz und markante Akzente bildend. Lyrischen Sequenzen des Cellos folgten emotional aufgeladene Stimmungen. Technisch keine Grenzen kennend, kostete die Solistin alle diese Gestaltungsmittel aus.

Chopin war 20 Jahre alt, als er das Klavierkonzert in f-Moll opus 21 komponierte. Der 26-jährige Mischa Cheung vermochte die ganze darin enthaltene Skala an tiefen Gefühlen und romantischer Poesie einzubringen samt der dazu nötigen Brillanz und Virtuosität. Souverän meisterte er Arabesken, dramatische Momente, chromatische Läufe und lange Trillerketten. Seinen jugendfrischen Auftritt und die packende Interpretation belohnte die Kanti-Delegation mit dem Publikumspreis.