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Medienbericht vom 23. November 2009

Zofinger Tagblatt

Schenk-Stiftung führt ihre Musikstars vor

Am Schlusskonzert im Stadtsaal zeigten die Auserkorenen ihre Konzertreife

Kurt Buchmüller

Die Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung könnte als bescheidener Gegenpol auf klassischer Ebene zum Medienrummel über die Superstars der Unterhaltungsmusik gelten; allerdings mit zwei eklatanten Unterschieden: Die Schenk-Stiftung begann mit der Nachwuchsförderung bereits vor 15 Jahren und sie sucht nicht Stars, die sich als kurzfristige Sternschnuppen entpuppen, sondern als Fixsterne erweisen. Der Einbezug der Kanti zeigt, dass die Stiftung das Interesse an guter Musik an der Basis einbringt.

Weitsichtige Investition

Raymond Oswald, Präsident des Stiftungsrates, erklärte vor dem wie immer fast voll besetzten Stadtsaal, er wolle hier nicht über Finanzen sprechen, aber doch einmal auf das Geschenk der Schenk-Stiftung hinweisen, die mit ihrem grosszügigen Startkapital den Nährboden für diese Konzerte gelegt habe. Zofingen biete ein vorzügliches Biotop zum Gedeihen dieser Kultur, vergleichbar mit dem Weinbau. Ein guter Tropfen könne nur entstehen, wenn der Boden, der Anbau und das Personal zur Pflege der Rebstöcke stimmten. Diesbezüglich könne die Stiftung auf die Medienpartnerschaft des «Zofinger Tagblattes» und die Unterstützung der UBS zählen, die ihre Kunden zum Besuch des Schlusskonzertes einlade. Moderator Andreas Müller-Crepon musste vor Konzertbeginn eine Programmänderung bekannt geben. Die Mezzosopranistin Susanne Gritschneder fiel wegen Kehlkopfentzündung aus. Als Ersatz wurde zwei Stunden vor der Orchesterprobe die Flötistin Tatjana Pimenova gefunden.

Imposanter Auftakt

Begleitet wurden die Solisten vom aus jungen, begeisterungs- und leistungsfähigen Musikern zusammengesetzten Orchester der Zürcher Hochschule der Künste unter Leitung von Marc Kissóczy. Welche Spannkraft dieser Klangkörper entwickelt, zeigte sich bei der Konzerteröffnung mit der «Tragischen Ouvertüre» opus 81 von Brahms. Das erste Thema ist bei den Holzbläsern angelegt, zur dominierenden Oboe fügen sich dann die übrigen Blasinstrumente und Streicher hinzu. In der Folge entwickelt sich eine Auseinandersetzung zwischen aufgewühlten und beruhigenden Passagen, vom Dirigenten markant formuliert und vom Orchester willig und beweglich reproduziert.

Funkelnde Solistenvorträge

Dem erst 20-jährigen Cellisten Paolo Bonomini wird eine glänzende Laufbahn vorausgesagt. Er spielte schon unter Claudio Abbado und ist Mitglied eines Orchesters unter der Leitung von Ricardo Muti. In Zofingen bewies er seine musikalisch und technisch übereinstimmenden Qualitäten mit den Variationen über ein Rokoko-Thema von Tschaikowsky. Er benutzte ein aus dieser Zeit stammendes Instrument und entlockte ihm mit höchstem Einfühlungsvermögen und virtuoser Kompetenz die wechselnden Stimmungsbilder der Variationen. Dabei bewältigte er mühelos technische Schikanen, die ein Cellovirtuose in das Original eingebaut hatte. Die Programmänderung brachte dem Publikum Mozarts Flötenkonzert in C-Dur KV 314. Solistin Tatjana Pimenova versah es mit Zartheit und Gefühl, gebundener Tonbildung und virtuosen Kadenzen. Das elegische Adagio liess Solistin und Publikum im Zauber der Melodie und in der Klangschönheit des Zusammenspiels zwischen Flöte und Orchester schwelgen. Ein Feuerwerk der Virtuosität und kraftvoller Interpretation entfachte Mari Samuelsen im Violinkonzert Nr. 2 in g-Moll von Prokofjew. Sie interpretierte das kontrastreiche Stück, in dem Soloinstrument und Orchester wild miteinander wetteifern, kühl, konzentriert und in gelassener Sicherheit, mit ungewöhnlicher Eleganz in der Bogenführung und lupenrein bis in die höchsten Lagen hinauf. Es war klar, dass hier ein Ausnahmetalent spielte. Die Kantiklasse erhob sie zur Favoritin.