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Medienbericht vom 16. Oktober 2008

Zofinger Tagblatt

Drei von neun Talenten konnten sich qualifizieren

Eine Jury erkor im Solistenvorspiel die am nächsten Jahreskonzert der Schenk-Stiftung Mitwirkenden

Kurt Buchmüller

Die 1995 gegründete Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung (Zofingen) bietet begabten Musikstudierenden die Chance, als Solist/Solistin vor Publikum mit einem Orchester aufzutreten, und verschafft ihnen so eine Starthilfe für die weitere Laufbahn. Der Weg dazu führt durch mehrere Etappen und Bewährungsproben.

Die erste besteht aus der Nomination der in Frage kommenden Studierenden durch die Direktoren und Fachlehrer der Schweizer Musikhochschulen. Der zweite Schritt ist die Bewerbung der Vorgeschlagenen bei der Stiftung mit Angabe des Ausbildungsstandes und von drei Selbstwahlstücken. Die Jury wählt daraus die Favoriten und das von ihnen am Solistenvorspiel vorzutragende Werk aus. Dieses Jahr gingen 25 Bewerbungen ein, neun Studierende konnten der Jury und dem anwesenden Publikum im Zofinger Stadtsaal während je 20 Minuten ihre musikalische Reife vorführen, die drei am besten qualifizierten werden am 21. November am Jahreskonzert auftreten. Wer von ihnen gewinnt, bestimmt dann das Publikum.

Angekündigt von Adrian Zinniker, Zofingen, trugen die Mitwirkenden im 20-Minuten-Takt das ausgewählte Werk vor. Die musikalische Leitung des Vorspiels lag wiederum bei Marc Kissóczy (Dirigent des Orchesters der Zürcher Hochschule der Künste). Er bildete zusammen mit dem Zofinger Dieter Ammann (Komponist und Professor an der Musikhochschule Luzern) und Elisabeth Glauser (Professorin für Gesang) die Jury. Stellvertretend für das Orchester wurden die Solisten von selber ausgesuchten Pianisten begleitet.

Den Anfang machte Georgi Pironkov (Musikhochschule Luzern) mit dem Klavierkonzert Nr. 1 in Es-Dur von Franz Liszt. Wer sich an diesem Stück messen will, muss hohen technischen Anforderungen genügen, der Komponist hat darin ein ganzes Arsenal von Schwierigkeiten eingepackt: Weitgreifende Tastensprünge, schier endlose Triller und mehrstufige Akkorde. Die nachfolgen­ de Romanze in F-Dur für Violine von Beethoven versah Mikayel Sakaryan (Musikhochschule Luzern) mit ihrer gefühlvollen Melodik, so dass die Hörer kaum der hohen technischen Ansprüche des Werkes gewahr wurden. Marcis Kuplais (Hochschule für Musik Basel) trat mit dem Cellokonzert in C­ Dur von Haydn an. Die schnellen Ecksätze mit kniffligen Doppelgriffen, Passagen mit Springbogen und Griffen in höchste Lagen gelangen ihm souverän, ein richtiges Hörerlebnis war der langsame mittlere Satz, in den er völlig versunken schien und so sein ganzes musikalisches Verständnis einbringen konnte.

Abwechslungsreiches Vorspielprogramm

Eine absolute Ausnahmeerscheinung war Xu Luo (Zürcher Hochschule der Künste) mit dem Konzert für Kontrabass in E-Dur von Dittersdorf. Das Spiel mit dem mächtigen Instrument und langen Griffbrett setzt einen grossgewachsenen Musiker voraus. Über eine solche Postur verfügte der Interpret, aber auch über die Gabe, das scheinbar schwerfällige Instrument nicht als Brummbär, sondern als sich elegant bewegende Gazelle wirken zu lassen. Davide Jäger (Zürcher Hochschule der Künste) gelang die Wiedergabe des Oboenkonzerts in D-Dur von Richard Strauss mit all seinen Finessen und Effekten wie aneinandergereihten Läufen, langen Trillern und gerüttelten Rhythmen, und Clementine Charlot (Conservatoire de Lausanne) verfügte über die geschmeidige Atem- und Fingertechnik, um die Klangschönheit und Leichtfüssigkeit des Flötenkonzertes in D-Dur KV 314 von Mozart auszudrücken.

Eine musikalische Rarität war danach das Fagottkonzert in F-Dur von Carl Maria von Weber. Auch hier verfügte die Interpretin Veronika Kiss (Conservatorio della Svizzera Italiana, Lugano) über die zum Instrument passende Figur. Kerzengerade nahm sie Haltung an bei der marschähnlichen Einleitung zum ersten Satz, mitschwingend gestaltete sie den melodiösen zweiten und mit vollendeter Virtuosität den dritten. Im engen Dialog mit der Klavierbegleitung entführte Adriana Maimone im «Concerto de Aranjuez» von Joaquin Rodrigo in die verhaltene Glut spanischer Mentalität, und Pascale Ecklin (Conservatoire de Musique Neuchätelois) wählte mit «Rondo Cappriccioso» von Camille Saint-Saëns ein Paradestück herausfordernder, virtuoser Violinmusik.

Noch fünf Proben

Der Entscheid der Jury liess nicht lange auf sich warten: Am Schlusskonzert werden Marcis Kuplais (Cello), Xu Luo (Kontrabass) und Veronika Kiss (Fagott) teilnehmen. Bis dahin finden in Zürich noch fünf Proben mit dem Orchester statt.