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Medienbericht vom 24. November 2008

Zofinger Tagblatt

Austausch zwischen Ost und West

Das Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung stand im Zeichen östlicher Solisten.

Kurt Buchmüller

Die Teilnahme am Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung im Stadtsaal Zofingen ist für junge Solisten ein Karrieresprung.

Die Kriterien zur Teilnahme am Jahreskonzert bilden einzig Begabung, Reife und Können der Solistinnen und Solisten. Die Direktionen der Schweizer Musikhochschulen schlagen die in Frage kommenden Studierenden der Jury der Stiftung vor. Aber erst wer die Hürde der Hörprobe überwindet, schafft schliesslich den Karrieresprung zum Jahreskonzert auf der Bühne des Stadtsaals und vielleicht auch den zum Beginn einer Solistenlaufbahn. «Die Schenk-Stiftung schenkt nichts», erklärte Moderator Andreas Müller-Crepon dem zahlreichen Publikum. Das stimmt nur auf der Seite der Musizierenden, das Auditorium wurde reich beschenkt durch ein sehr abwechslungsreiches Programm mit hochbegabten Solisten, die ein Fenster in die östliche Musikkultur öffneten.

Ausnahmeerscheinungen

Gleich zu Beginn wurde musikalisches Neuland betreten. Im Konzert in E-Dur für Kontrabass und Orchester von Karl Ditters von Dittersdorf tritt zwar eine Klangwelt in Erscheinung, die in manchen Zügen des seines Zeitgenossen Mozart gleicht, vor allem was die reich ausgestattete Orchesterbegleitung anbelangt. Aber wer hat schon einmal den vermeintlich schwerfälligen Kontrabass als Soloinstrument gehört? Xu Luo (China) machte daraus ein bewegliches, nuancierungsfähiges Instrument seine Bogenführung war so weich und geschmeidig, dass er die Saiten nicht strich, sondern streichelte, die linke Hand huschte über dem Griffbrett fast wie liebkosend hin und her.

Gleich darauf zauberte Anna Stolarczyk (Sopran, Polen), die ihren Preis am letztjährigen Vorspiel abholte, aber im damaligen Jahreskonzert nicht mehr Platz fand, italienisches Belcanto in den Stadtsaal. Zuerst trat sie, in der Rolle der schüchternen Mimi aus Puccinis «La Boheme» auf und bildete mit expressivem Ausdruck deren Gefühlsbewegungen ab. Gleich danach wechselte sie mit «E strano… sempre libera» aus Verdis «La Traviata» in eine der berühmtesten und bekanntesten Arien der Opernliteratur und zugleich auch in eine der schwierigsten. Sie setzt einen enormen Umfang der Stimme und deren geradezu artistische Beherrschung in einer leidenschaftlich ausgemalten Liebesszene voraus. Über beides verfügt Anna Stolarczyk, dazu aber auch noch über ein Volumen, das keine Grenzen kennt. Den Part des Alfredo übernahm ein Cellist des Orchesters.

Solistische Glanzstücke

Das Orchester der Zürcher Hochschule für Musik hinterliess mit seinem prompten Eingehen auf die Signale des Dirigenten Marc Kissóczy und seiner raschen Reaktion auf die Wechsel in der Dynamik einen ausgezeichneten Eindruck. Dies trifft sowohl in der für Orchester geschriebenen Polonaise in Tschaikowskys Oper «Eugen Onegin, die straff, feurig und farbig ausgelegt wurde, wie auf die Begleitung der Solisten zu. Als Nächste konnte davon Veronika Kiss (Ungarn) im Konzert in F-Dur für Fagott und Orchester von Carl Maria von Weber profitieren. Ob den marschähnlichen ersten Satz mit betontem Rhythmus markierend oder das Andante cantabile in singendem Fluss und mit­ schwingendem Körper interpretierend und das Rondo wie verlangt Vivace spielend: Es schien, als sei sie völlig verwachsen mit dem Instrument. Die Krone setzte dem Abend dann zum Schluss Marcis Kuplais (Lettland) mit dem Cellokonzert in C-Dur von Joseph Haydn auf. Es verlangt vom Solisten höchste technische Virtuosität: Springbogen, Doppelgriffe, Flageoletttöne, unheimlich schnelle Läufe ebenso wie innige Melodieseligkeit im Adagio. Das alles belastete den Solisten überhaupt nicht, er schien völlig abwesend zu sein, ganz in seine Interpretation versunken, den Blick auf das innere Geschehen in der Musik gerichtet und herausholend.