Zurück zur Übersicht

Medienbericht vom 27. November 2007

Zofinger Tagblatt

Wegbereitung in die Orchesterwelt

Das Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung zog in den Bann junger Solisten

Kurt Buchmüller

Jedes Jahr meint man, noch nie eines solch interessanten Hörerlebnisses teilhaftig geworden zu sein. Der Reiz des Konzertes der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung liegt im Konzept, junge Musikstudierende bei ihrem ersten Auftritt mit Orchesterbegleitung zu erleben.

Es sind immer wieder neue begabte Solisten, die sich hier vor das Publikum stellen. Vielleicht ist es für einzelne von ihnen der Start in eine internationale Künstlerlaufbahn, und wer dabei gewesen ist, kann sagen: Im Stadtsaal Zofingen hat sie begonnen.

Brückenbauer für junge Menschen

Raymond Oswald, Präsident des Stiftungsrates, konnte wie gewohnt einen voll besetzten Stadtsaal begrüssen. Das Leitbild der Stiftung bezwecke bekanntlich die Förderung junger Musiker und Solisten. Der Stiftungsrat verstehe sich aber auch als kultureller Brückenbauer. Zum heutigen Konzertabend seien deshalb Schülerinnen und Schüler des Grundfaches «Musik» der Kantonsschule Zofingen eingeladen worden. Viel­ leicht treffe man eines Tages jemand von ihnen wieder als Solist auf der Bühne des Stadtsaals oder als Mitglied des Orchesters der Zürcher Hochschule für Künste.

Dieses Jahr hätten sich Kandidaten der Musikhochschulen Bern, Zürich, Basel, Luzern, Neuchâtel, Lugano, Wallis und Lausanne zum Vorspiel gestellt; die Auswahl sei für die Juroren Marc Kissóczy, Dieter Ammann und Adrian Zinniker eine Herausforderung gewesen. Erstmals sei auch die Meinung des Publikums gefragt. Auf Anregung des Stiftungsratsmitgliedes Hans-Ruedi Hottiger könne das Publikum mittels Stimmzettel den Sieger und Gewinner des von der Stadt gespendeten Preises wählen.

Auch dieses Jahr führte Andreas Müller-Crepon, Musikwissenschaftler und Moderator bei Radio DRS 2, durch das Programm. Die das Konzert eröffnende Ouvertüre «Manfred» von Robert Schumann stellte er als sein Lieblingsstück vor, die Komposition beruhe auf einer literarischen Vorlage des Romantikers Lord Byron und beschreibe das Leben eines Helden, der an den gesellschaftlichen Schranken seiner Zeit scheiterte.

Für Schumann war Musik die höhere Potenz der Poesie, und genau diese Aussage bestätigte der Dirigent Marc Kissóczy in der Interpretation. Das Orchester folgte ihm willig und geschmeidig durch die zwischen Auflehnung, Trotz und Beruhigung wechselnden Stimmungen und war zu affektvollen Passagen ebenso fähig wie zu epischen Sequenzen.

In eine ganz andere musikalische Welt entführte danach der aus der Ukraine stammende Alexander Grytsayenko mit dem 5. Violinkonzert in A-Dur von Mozart. Nach der skandierten Einleitung des Orchesters setzte die Violine mit einem strahlenden Auftakt ein, danach folgte die Interpretation einer sensiblen und lyrischen Linie mit einer bis in alle Einzelheiten phrasierten Tongebung. Dass er die Eleganz und Virtuosität des Violinspiels ebenso beherrscht, zeigten die kunstvollen Kadenzen in den vier Sätzen.

Wer die Wahl hat…

Nach der Pause stellte sich Zora Slokar mit dem Hornkonzert Nr. 2 von Richard Strauss der Beurteilung des Publikums. Sie begann im Alter von fünf Jahren mit dem Violinspiel und wechselte als 16-Jährige auf das Horn. Auf diesem Instrument fühlte sie sich sichtlich und hörbar wohl, bewältigte gelassen schwierige Einsätze im Dialog mit dem Orchester und verfügte über den Atem und die Technik zu langen Solopassagen.

Mit dem Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll von Chopin trat die Japanerin Sai Sato in die Fussstapfen des Komponisten, der sein Werk als 20- Jähriger in Warschau selber erstmals öffentlich spielte. Es findet darin kein Dialog zwischen Orchester und Klavier statt, sie wechseln einander ab. Dem Klavier gilt die Hauptrolle, wozu viel Virtuosität verlangt wird. Dem konnte die Solistin vollauf genügen, sie kleidete ihre Wiedergabe in einen trockenen Anschlag bei den perlenden Läufen, verstand es aber auch, Leidenschaft und Glut in den melodiösen Stellen herauszuspielen. Das Publikum erkor sie zur Siegerin im Wettspiel der Solisten.