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Medienbericht vom 28. November 2006

Zofinger Tagblatt

Aus Musik eine Offenbarung gemacht

Hervorragende Solisten am Schlusskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung

Kurt Buchmüller

Seinen Ruf als aussergewöhnliches Musikereignis hat das zwölfte Schlusskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung seit der Gründung im Jahr 1995 nochmals gefestigt. Jedes Jahr darf das Publikum neue Talente mit einer individuellen Aussage kennenlernen. Auffallend am diesjährigen Konzert war, dass drei der vier Preisträger ihre Wurzeln in der osteuropäischen Musikkultur haben

Von der Jugend - für die Jugend

Begleitet wurden die Solisten vom Sinfonieorchester der Hochschule für Musik und Theater in Zürich unter der Leitung von Marc Kissóczy. Zum Stiftungszweck «Förderung junger Musiker» gehöre auch die partnerschaftliche Verbindung mit diesem Ensemble aus jungen Musikstudenten, erklärte Stiftungsratspräsident Raymond Oswald in der Begrüssung. Die Schenk-Stiftung suche aber auch den Kontakt zum jungen Publikum, weshalb 63 Studierende des Grundlagenfachs «Musik» der Kantonsschule Zofingen zum Konzert eingeladen worden seien.

Die Stiftung sei in Zofingen breit abgestützt, so durch das Engagement der UBS Zofingen, die in der Pause einen Apéro offeriere sowie durch die Vertretung des Stadtrates im Stiftungsrat. Elf Jahre habe darin Urs Locher sein Musikverständnis eingebracht, als Nachfolger habe nun Hans Ruedi Hottiger Einsitz genommen.

Individualität in der Interpretation

Durch das Konzert führte mit einleitenden Worten der Musikwissenschaftler Andreas Müller­Crepon. Er stellte ein hochstehendes Konzert in Aussicht, welches Versprechen in den folgenden gut zwei Stunden in jeder Beziehung erfüllt wurde. Den Anfang machte Kirill Zvegintsov (1983) aus der Ukraine mit dem Klavierkonzert Nr. 22 in Es-Dur KV 482 von Mozart. Schon bei den ersten Anschlägen war die Intensität fühlbar, die der Pianist in sein Spiel legte. Auch in langen Trillern war jeder Ton positioniert, dem «Andate» war anzuhören, dass hier Einfühlung die Hände führte, in den Kadenzen kostete er die Freiräume der Interpretation aus. Der Schlusssatz mit dem «Rondo-Allegro» geriet in typisch mozartscher Manier: heiter, unbeschwert, locker und leichtfüssig in perfektem Zusammenspiel mit dem Orchester.

Die Violinistin Andrea Tyniec (1982) aus Montreal/Kanada wählte das Stück «Poeme» des französischen Spätromantikers Ernest Chausson. Es ist eine episch angelegte Komposition mit langen, träumerischen Soloeinlagen, aber auch mit ausgedehnten Folgen virtuoser Doppelgriffe bis in höchste Lagen. Das schien die Solistin aber überhaupt nicht zu belasten, der Bogen wurde mit einer Geschmeidigkeit geführt, die eine fliessende, satte Tongebung herausholte.

Musikalische «Ruhe vor dem Sturm»

Nach der Pause trat der Bulgare Miroslav Stoyanov (1982) mit dem Konzert in B-Dur KV 191 für Fagott und Orchester an, einem Jugendwerk von Mozart. Es verlangte vom Solisten einen langen Atem und flinke Finger, es sei das Examenstück für Fagottisten, erklärte Andreas Müller-Crepon: Entweder scheitern sie schon in den ersten Takten oder sie stehen es durch. Hier spielte es ein Solist, der auch schwierigste Kadenzen mit enormen Tonsprüngen meisterte.

Die Krönung des Konzertes kam am Schluss. Die Pianistin Ketevan Sepashvili-Flashaar (1980) aus Tiflis/Georgien besann sich ihrer Herkunft und legte ihr ganzes Empfinden und Temperament in die Interpretation von Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll. So kann nur jemand mit einer inneren Beziehung zu dieser Musik spielen; das Orchester machte das Pendeln zwischen wilden Ausbrüchen und beruhigenden Passagen mit. Diese Wechsel vollzog die Pianistin mit einem Feuerwerk aus Virtuosität und glühender Ausdruckskraft. Es werde ihr technische Perfektion und eine tiefe Musikalität attestiert, stand im Programm. Dem ist nichts beizufügen. Das Publikum konnte seine Begeisterung nur noch mit «Standing Ovations» äussern.