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Medienbericht vom 01. Dezember 2003

Zofinger Tagblatt

Glanzvolle Solovorträge vom ASO begleitet

Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung vor nahezu ausverkauftem Stadtsaal

bhä

Das Jahreskonzert der Jmanuel und Eva Maria Schenk-Stiftung, Zofingen, am letzten Freitagabend im nahezu ausverkauften Stadtsaal bescherte ein hochkarätiges Hörvergnügen. Glänzend intonierten die von der Jury im Wettbewerb des Vorspiels am 13. Oktober erkorenen vier jungen Musikerinnen und Musiker, eingebettet in die Begleitung des Aargauischen Sinfonieorchesters (ASO) unter der Leitung von Marc Kissóczy.

Entsprechend variantenreich war das instrumentale und vokale Programm. Nach der Grussadresse von Stadtammann Urs Locher im Namen des Stiftungsrates der seit 1995 bestehenden Schenk-Stiftung, die ein Glücksfall für die Thutstadt und das Konzert jeweils ein Highlight sei, übernahm Andreas Müller-Crepon von Radio DRS 2 als durch das Programm Moderierender das Zepter. Unter den vielen Anwesenden waren auch Regierungsrat Rainer Huber und der aargauische Kulturchef Hans-Ueli Glarner, Lenzburg, vertreten.

Konzertant-elegante Eröffnung

Als Erstes erklang das Konzert für Harfe und Orchester C-Dur des Opernkomponisten aus Rouen, François-Adrien Boieldieu, der das erwähnte Harfenkonzert 1801 schrieb. Solistin der Sätze Allegro brillante – Andante lento – Rondeau war die 1983 geborene Französin Delphine Constantin, die zurzeit an der Musikhochschule Zürich studiert und daneben noch an der Sorbonne für Musikwissenschaft immatrikuliert ist. Konzertant-elegant, jubilierend; glückselig erzählte die Harfe in weicher Saitensprache, fein vom Orchester begleitet. Die freudigen Parts wechseln dann in fast depressive, traurige Parts, Einsamkeit, Erinnerungen werden greifbar, das Orchester bricht aber diesen Bann und die Solistin öffnet sich wiederum lebendiger Freude, einem förmlich musikalischen Davonspringen.

«Fingerballett» bei Mozart-Stück

Nach diesem frenetisch applaudierten Hörgenuss betrat, ebenfalls in schwarz-roter Robe, die 1976 in Oakland (USA) geborene Pianistin Deborah Lee die Bühne und zelebrierte das in den Jahren 1788-1791 entstandene Spätwerk von Wolfgang Amadeus Mozart, das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur, KV 595 mit den Sätzen Allegro – Larghetto – Allegro. Nach den einleitenden Bläsern im Allegro erzählte die Pianistin gefühlvoll und virtuos mit fein abgesetzten Läufen. Im Larghetto beginnt das Klavier in inniger Klangsprache gefolgt von virtuosem Orchesterklang, malt dann nuanciert mit der linken Hand zur melodiösen rechten, fein mit den grossen Streichern und Fagott. Das abschliessende Allegro ist in den perlenden Läufen von Fröhlichkeit und Sorglosigkeit dominiert, ja fast ist es ein Davonfliegen oder schelmisches Versteckspiel, zeitweise auch Ungeduld markierend. Deborah Lee wurde ebenfalls mit grossem Applaus für ihr regelrechtes Fingerballett gefeiert.

Trennungsschmerz und Abschied

Nach diesen Instrumentalperlen wurde ein Brillant in die Kette eingesetzt. Der 1980 in Winterthur geborene Bassist von spanisch-slowenischer Abstammung, Ruben Drole, nahm das Publikum mit seiner kraftvollen Stimme und grossen Ausdruckskraft gefangen. Er besitzt bereits das Lehr- und Operndiplom, für das er sich sein Rüstzeug an der Musikhochschule Winterthur in der Sologesangsklasse holte. Die von ihm an diesem Konzert gesungene Arie beziehungsweise sein Debüt als Oratoriumsänger beinhalteten beide Trennungsschmerz, Abschiednehmen. So erklang von dem jungen Sänger mit seiner volltönenden Stimme grosser Steigerungskraft und Leidenschaft die Konzertarie «Mentre ti lascio, o figlia» KV 513von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch Gestik und Körpersprache unterstrichen die musikalische Auslegung. Das Gleiche war auch bei der Bassarie für Bass und Orchester «Es ist genug» aus der alttestamentarischen Geschichte des Propheten Elias der Fall, die Felix Mendelssohn-Bartholdy in Notensprache umsetzte. Eindrücklich, schmerzlich, fast verzweifelnd, aber auch anklagend «Es ist genug, ich bin nicht besser denn meine Väter». Brandender Applaus und Beifallsrufe belohnten den Vocalisten für seine Auslegungen.

Romantische Komposition «gelebt»

Die Steigerung ging weiter, das hochkarätige Geschmeide erhielt auch noch einen Rubin. Dies mit der Jüngsten unter den Teilnehmern, der 1984 in Lyon geborenen Violinistin, an der Musikhochschule Zürich studierenden Chouchane Siranosslan. Sie gestaltete und lebte förmlich diese romantische Komposition, die ihr wirklich auf den Leib geschrieben zu sein schien. Die Palette der Ausdruckssprache reichte im Allegro moderato – Canzonetta: Andante – Finale: Allegro vivacissimo von sentimental-innigen, schmerzlich-intimen, hektisch-temperamentvollen bis zu subtil-zarten, sogar im Flüsterton gehaltenen Parts. Bogen und linke Hand tanzten geradezu auf den Saiten dieser selbstbewusst, mit grossem Charme auftretenden Musikerin. Fein unterstützten Bläser und Streicher dieses hochkarätige Feuerwerk, das wahre Beifallsstürme auslöste.

Stifterin Evamaria Schenk bedankte sich bei den Solisten mit Blumen. Ein unvergessliches Musikerlebnis war dieses Jahreskonzert.