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Medienbericht vom 11. Dezember 2001

Aargauer Zeitung

Virtuose Solisten in Zofingen

Bestechend: Jahreskonzert der Schenk-Stiftung

Jürg Nyffenegger

Drei junge Solisten, alle aus dem französischsprachigen Raum, das Aargauer Symphonie-Orchester, Marc Kissóczy am Pult, drei unterschiedliche Werke, ein gut gefüllter Stadtsaal Zofingen: in diesem Rahmen spielte sich das diesjährige Konzert der Jmanuel-und-Evamaria­ Schenk-Stiftung ab. Wer da war, entdeckte drei hochinteressante Nachwuchssolisten.

Zu Beginn und zum Abschluss des Konzertes präsentierten sich ein Geiger und eine Geigerin. Der aus Bourges stammende 22-jährige François Sochard hatte das dritte Violinkonzert von Camille Saint-Saens gewählt, ein virtuoses Stück, wohl das bedeutendste dieses Genres. Saint-Saens schrieb es 1880 für Pablo de Sarasate. Sochard glänzte durch makellose Technik, stupende Virtuosität und grossen Klang. Das Orchester wirkte zu Beginn etwas behäbig, folgte den Intentionen des Solisten im Verlauf der Interpretation immer besser. Dennoch: So recht zu berühren vermochte der hochbegabte Virtuose nicht.

Während Sochard durch Brillanz das Publikum in seinen Bann ziehen konnte; musste die jüngste der Solisten, die 20-jährige Französin Lisa Schatzmann, die bei Ana Chumachenco in Zürich studiert, ganz andere Register ziehen, um zu bestehen. Sie setzte sich mit Beethovens Violinkonzert auseinander – und verblüffte nicht nur das Publikum, sondern auch das Orchester. Lisa Schatzmann schien einfach alles zu gelingen, selbst die bestbekannten Kadenzen von Fritz Kreisler. In den Ecksätzen spielte sie so locker, als ob sie selber Schöpferin des berühmten Werkes wäre. Dennoch wirkte ihre Interpretation nie oberflächlich oder manieriert. Für den Höhepunkt des Abends sorgte sie im Mittelsatz, wo sie mit Bogen und linker Hand so liebevoll umging, als umarme sie die ganze Welt. Das Orchester liess sich anstecken und nahm die reife Gedankenwelt der jungen Musikerin auf, gestaltete das sinfonische Meisterwerk engagiert und aufmerksam mit.

Die Konzertmitte war Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur vorbehalten – ein Stück reich an Ideen, bis hin zu jazzigen Elementen und mit überraschendem Peitschenknall zu Beginn. Die «älteste» im Solistentrio, die 27-jährige Virginie Falquet aus Lausanne, wurde dem für Orchester und Solistin anspruchsvollen Werk vollauf gerecht. Mit Temperament, Verve, Humor und verspieltem Charme näherte sich die Pianistin Ravels kompositorischen Höhenflügen, riss das Orchester gleichsam mit, spornte zum Beispiel Barbara Kipfer an der Harfe und – im langsamen Satz – Judith Bachmann am Englischhorn zu Höchstleistungen an.