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Medienbericht vom 13. Dezember 2000

Zofinger Tagblatt

Vier junge Solistinnen und das ASO beglückten mit vielseitiger musikalischer Sprache

Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung vor ausverkauftem Stadtsaal Zofingen

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Vor ausverkauftem Haus fand am Freitagabend im Stadtsaal Zofingen das mit zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender der Thutstadt gehören­ de Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung mit dem Aargauer Symphonie Orchester (ASO) unter der bewährten Leitung von Räto Tschupp, mit den vier aus den Workshops im Oktober sich besonders profilierenden Solistinnen, statt. Ilona Kocsis (Flöte), Nathalie Amstutz (Harfe), Elisabeth Häfliger (Klarinette) und Chiara Bertoglio (Klavier), boten im Zusammenspiel mit dem ASO grösstes, frenetisch applaudiertes Hörvergnügen.

Der kompetent durch das Programm führende Musikwissenschaftler bei Radio DRS 2, Roland Wächter, betonte einleitend in seiner Grussadresse, dass die Musik dieses Konzertabends in verschiedenen Sprachen erzähle und auch die jungen Solistinnen aus verschiedenen Ländern, aus Ungarn, der Schweiz und Italien, kämen.

Als Erste stellte sich die 1970 in Ungarn geborene, sich momentan an der Musikhochschule Luzern bei Anna-Katharina Graf auf das Solistendiplom vorbereitende Ilona Kocsis mit virtuosem Flötenspiel mit dem Konzert für Flöte und Orchester D-Dur opus 283 des 1824 in Hamburg geborenen und 1910 in Leipzig, seinem Wirkungsort, verstorbenen Carl Reinecke vor. Das an diesem Abend zu hörende romantische Flötenkonzert schrieb er 1908. Die drei Sätze erzählen in kontrastreicher Klangfarbe.

Bereits im Allegro molto moderato, wechselt die Stimmung von Lieblich-erzählerischem zu Dramatischem, gefolgt-von seinem still verklingenden Abschluss im Lento emesto mit einem geheimnisvoll wirkenden Anfangspart mit dem Zupfen der Celli und Bassgeigen. Wunderschön dann die sich in sanfter Erinnerung und Lieblichkeit verlierende Flöte. Im dritten Satz, Finale, Moderato erlebt man wieder eine übermütig sorglos erzählende Flötenstimme, ein temperamentvolles Orchester in seiner vielgestaltigen Klangfarbe, das dann aber zu ruhigerem Flötenpart überleitet. Nach nochmaligem Kontrast von dramatisch-erregt wechselt die Flöte dann zu perlendem Erzählen in sprudelnder Klangsprache am Schluss.

Harfe auswendig gespielt

Die nächste, 1982 in La Chaux-de­ Fonds geborene und auch dort studierende Solistin, die Harfenistin Nathalie Amstutz, intonierte in faszinierender Auslegung zusammen mit den Streichern des ASO auswendig spielend Danses für Harfe und Streicher von Claude Debussy (1862 bis 1921). Der Komponist zeichnet in diesen Tänzen im Danse sacrée in zeitweise meditativer Sprache das einstige Instrumentalfeld dieses Instruments in der Antike, wobei im Danse profane als weltlicher Tanz im Gegensatz zu dem zeremoniell gefärbten sacre die Harfe als Saloninstrument des 19. Jahrhunderts durch leichte Takte greifbar wird. Fein kristallisierte die Harfenistin diese Unterschiede heraus.

Nach der Pause erlebte man als weitere junge schweizerische Instrumentalistin die 1976 in Zug geborene, an der Musikhochschule Zürich sich aufs Solistendiplom vorbereitende Klarinettistin Elisabeth Häfliger mit dem von ihr auswendig gespielten Concertino B-Dur opus 48 für Klarinette und kleines Orchester des deutsch-italienischen Komponisten und Pianisten Ferrucio Busoni. Geboren 1866 in Florenz, gestorben 1924 in Berlin, verbrachte Busoni sein Leben in den verschiedensten Ländern und zog sich im ersten Welt­ krieg in die Schweiz, nach Zürich, zurück. Sein Concertino in dem einen Satz, Allegro sostenuto, lehnt in den anspruchsvollen Klarinettenparts an Opernszenen an, was – so Wächter – das Italienische an dieser Komposition sei. So gestaltete Elisabeth Häfliger facettenreich Dramatisches, aber auch Gleichgültigkeit oder Vorgaukeln Verratendes sowie lachenden Übermut.

Wahres Feuerwerk mit Felix Mendelssohn

Ein weiterer Höhepunkt war dann das abschliessende Konzert für Klavier und Orchester, g-Moll, opus 25 von Felix Mendelssohn mit der 1983 in Turin geborenen Chiara Bertoglio. Sie ist seit 1996 Studentin in der Klavierklasse der Aarauer Pianistin Emmy Henz-Diémand, Dozentin beim Schweizerischen Musikpädagogischen Verband. Die jüngste der an diesem Abend auftretenden Solistinnen gewann bereits zahlreiche Wettbewerbe und gestaltete im Stadtsaal das Mendelssohn-Konzert mit Molto allegro con fuoco -Andante – Presto – Molto allegro vivace zu einem wahren Feuerwerk. Fein kristallisierte sie in feiner Innigkeit ihre Antwort auf das Rufen der Hörner und dem nach­ folgenden Orchesterpart heraus. Ihre tanzenden Finger brillierten bei der tänzerischen Sprache, wobei ihr ganzer Körper in seiner Bewegung die Musik mitlebte. Gelöst und lachend intonierte sie, kurzum: ein beglückendes Hörvergnügen.

Benedikt Hilfiker von der UBS Zofingen übernahm es, den Solistinnen, dem Orchester mit seinem Dirigenten Räto Tschupp und vor allem auch Evamaria Schenk für ihr grosses Engagement im Rahmen der Stiftung zu danken. Riesenapplaus unterstrich zusätzlich diese Dankesadresse.