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Medienbericht vom 11. Dezember 2000

Aargauer Zeitung

Verheissungsvolle Musiktalente

Jahreskonzert der Schenk-Stiftung im Stadtsaal

hmr

Vier junge Talente zeigten ihr Können am Jahreskonzert der Schenk-Stiftung zusammen mit dem Aargauer Symphonie­ Orchester.

Im reichen Musikangebot der Region Zofingen dürfen die Tätigkeit und das Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung im Stadtsaal in Zofingen eine .Sonderstellung beanspruchen, denn die Stiftung steht im Dienste einer beispielhaften Aufgabe: sie dient der Förderung von Musikstudenten im Hinblick auf die Erlangung des Solistendiploms.

Am Freitagabend beglückten vier junge Instrumentalistinnen ein restlos besetztes Haus mit einem·originellen und ungewöhnlichen Programm und wussten mit eleganten und leuchtenden Abendroben auch .noch einen Augenschmaus zu bieten. Die Besucher spendeten wärmsten Beifall, und die Darstellerinnen wurden noch zusätzlich mit herrlichen Blumensträussen bedacht – ebenso Evamaria Schenk und der Dirigent des Abends, Räto Tschupp, der umsichtige und präzise Leiter des Aargauer Symphonie Orchesters, das seit je mit der Schenk-Stiftung zusammenarbeitet.

Die weibliche Jugend führte das Zepter und wartete mit überraschend reifen Leistungen auf, jede Unsicherheit und jede Nervosität hinter sich lassend: verheissungsvolle Talente, welche ihre Karriere souverän anpacken werden (und es teilweise auch schon «geschafft» haben). Die 1970 in Ungarn geborene, in Luzern in Ausbildung stehende Flötistin Ilona Kocsis, die 1982 in La Chaux-de­ Fonds geborene, am Conservatoire ihrer Heimatstadt in einer Diplomklasse studierende Harfenistin Nathalie Amstutz, die 1976 in Zug geborene und an der Musikhochschule in Zürich sich auf das Solistendiplom vorbereitende Klarinettistin Elisabeth Häfliger und die 1983 in Turin geborene, die Instrumentalprüfung mit der höchsten Note 10 ausgezeichnete Pianistin Chiara Bertoglio begeisterten das Auditorium mit Darstellungen von Werken von Carl Reinecke, Claude Debussy, Ferrucio Busoni und Felix Mendelssohn – mit Ausnahme des Klavier-Konzertes g-moll op. 25 von Mendelssohn alles kaum einmal in einem öffentlichen Konzert dargebotene Werke: Entdeckungen waren also·angesagt.

Als Auftakt intonierte die zart-elegante Ilona Kocsis das Konzert für Flöte und Orchester D-dur, op. 283 von C. Reinecke (1824 bis 1910), ein Spätwerk, in dem ein versierter Komponist dem Solisten und dem Orchester volle Entfaltung zumisst, dessen künstlerischer Impetus aber sehr mager bemessen ist. Kocsis gestaltete alle drei Sätze sorgfältig und tadellos, wobei das Orchester in diskreter Zurückhaltung begleitete, in den solo-losen Teilen jedoch zu heftige Akzente setzte.

In wunderbar elfenhafte, naturverbundene, dem Impressionismus zutiefst angehörende Stimmungsmusik entführte Nathalie Amstutz mit den Deux danses pour harpe chromatique et orchestre d’instruments àcordes, die Claude Debussy (1862 bis 1921) im Jahre 1904 komponiert hat. Solistin und Orchester wussten die verfeinerte und hauchdünne Klanglichkeit subtil zur Geltung zu bringen – den innigen danse sacrée und den lebhafteren danse profane. Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) hat sein Concertino B-dur, op. 48, für Klarinette und kleines Orchester in grosser Verehrung für einen anderen Komponisten von Werken für Klarinette, W.A. Mozart, in geistvollen kontrapunktischen Imitationen und mit Streicher­Pizzicati-Begleitungen sowie Duetten der Klarinette mit Oboen und Fagott delikat gestaltet. Elisabeth Häfliger gelang eine makellos dichte und klangvolle Darstellung.

Als brillanten Höhepunkt des Abends das letzte Werk: das temperamentvolle, dreisätzige Klavierkonzert g-moll, op. 25, das F. Mendelssohn 1831 in Italien konzipiert hat und das·dem Soloinstrument wie dem Orchester in strahlender Noblesse und heller Innigkeit volle Entfaltungsmöglichkeiten bietet – in Erinnerung an den Elfenspuk des «Sommer­ nachtstraums». Solistin und Dirigent musizierten in bester Laune und empfingen dafür zu Recht den machtvollsten Beifall des Abends, wobei das elegante rote Abendkleid von Chiara Bertoglio die Wirkung sinnvoll intensivierte.

Als Informator und Kommentator begleitete Roland Wächter (Radio DRS 2) den ganzen Abend.