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Medienbericht vom 13. Dezember 1999

Zofinger Tagblatt

Drei junge Solisten glänzten zusammen mit dem ASO

Jahreskonzert der Zofinger Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung im Stadtsaal Zofingen

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Vor ausverkauftem Haus begeisterte am Freitagabend das Jahreskonzert mit dem Aargauer Symphonieorchester (ASO) unter der Leitung von Räto Tschupp, Zürich, das als 5. Jahreskonzert der Zofinger Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung drei junge Solisten mit glanzvollen Vorträgen vorstellte. Als frisch und spontan erlebten die vielen Konzertbesucher den Klarinettisten Andrea Baggi mit Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622, den grazilen Cellisten Yoel Cantori mit «Waldesruh» op. 68/5 von Atonin Dvorak und das brillant ausgelegte Konzert für Klavier und Orchester in a­ moll op. 54 von Robert Schumann durch die 24-jährige Pianistin Michèle Gurdal, Studierende der Meisterklasse von Homero Francesch an der Musikhochschule Zürich.

Hochkarätiger Musikgenuss

Das Hörvergnügen begann mit dem Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Fein nahm die Klarinette im Allegro die Motivsprache des Orchesters auf, gestaltete weich und fliessend, wobei der Klarinettist zusätzlich mit der Wasserbildung unter einer Instrumentalklappe zu kämpfen hatte. In starker Gefühlssprache, voller Lieblichkeit, bei stark zurückgenommenem Orchesterklang, gestaltete er das Adagio, das von übermütiger Fröhlichkeit im Rondo, Allegro dieser vollendeten, in den letzten fünf Lebensjahren Mozarts geschaffenen Komposition abgelöst wurde . Der 1968 geborene Andrea Baggi wurde mit begeistertem Applaus gefeiert, musste dann aber schnellstens den Zug besteigen, da bereits am Samstag ein Konzerttermin in seinem Heimatland Italien bevorstand. In der Klasse von Franck Sigrand, Konservatorium Neuchâtel, erhielt er im Juni 1999 den Prix de Virtuosité mit der Note «sehr gut».

Als nächsten Solisten lernte man den 1979 geborenen, an der Musikhochschule von La Chaux-de-Fonds Studierenden Yoel Cantori kennen, im Charakterstück «Waldesruh» Adagio für Violoncello und Orchester, op. 68/5 von Antonin Dvorak. Konstrastreiche Bogensprache, virtuose linke Hand bestimmten sein Spiel, besonders fein in den Parts mit Klarinette und Flöte. Auch ihn bedachte das Publikum mit frenetischem Applaus.

Nach der Pause erlebten die Konzertbesucher einen weiteren Höhepunkt durch die junge Pianistin Michèle Gurdal aus der Meisterklasse des weltbekannten Pianisten Homero Francesch, 1947 in Montevideo geboren. Dieser war selbst auch im Stadtsaal anwesend.

Meisterwerk Robert Schumanns interpretiert

Die in Belgien geborene junge Pianistin faszinierte durch ihr hochkarätiges Spiel des in den Jahren 1841 bis 1845 von Robert Schumann komponierten Konzerts für Klavier und Orchester a­ moll op. 54 mit den Sätzen Allegro affetuoso, Intermezzo, Andantino, grazioso, Allegro vivace. Dieses Meister­ werk Schumanns, geboren aus seiner reichen Phantasie, schien Michèle Gurdal geradezu auf den Leib geschrieben. Temperamentvolles, geradezu Überschäumendes wechselte mit inniger Klangsprache, subtil in wunderschönen Parts mit Klarinette, Oboe und Flöte, und brandete wiederum in leidenschaftliche, impulsive Tonsprache aus. Wunderschön kristallisierte Michèle Gurdal nicht nur die variierenden Motive und Themen, sondern auch den rhythmischen Wechsel heraus. Dies besonders im Schlusssatz. Weich im Anschlag, fliessend in spielerischer Leichtigkeit ausdruckstarker Gefühlssprache und ebenso nuanciert das wie ein Aufbäumen wirkende rhythmische Feuerwerk bestimmten die glänzende Auslegung dieses Klavierkonzertes durch diese junge Pianistin. Frenetischer Applaus brandete ihr aus dem Saal entgegen, und Evamaria Schenk überreichte ihr und dem noch anwesenden jungen Cellisten die verdienten Blumen auf der ebenfalls in lebhaftem Rot-Gold blumengeschmückten Bühne.

Ein hochkarätiger Konzertgenuss, bei dem Dirigent und gleichzeitig auch Stiftungsratspräsident Räto Tschupp den Dank an alle Beteiligten, speziell aber an Evamaria Schenk, die mit grossem Engagement nach dem Tod ihres Partners Jmanuel Schenk die Stiftung weiterführt, abstattete.

Räto Tschupp blendete kurz zurück in die Arbeit der Stiftung, die nun das 5. Jahreskonzert präsentiert hat. Seit dem Bestehen der Stiftung 1995 nahmen 38 Kandidatinnen und Kandidaten an den vor dem Konzert stattfindenden Workshops teil. Zwölf von ihnen wurden durch die Jury als Solisten für die jeweiligen Jahreskonzerte ausgewählt. Zwei konnten dank der Unterstützung der Stiftung ihr Konzert zur Erreichung des Solistendiploms in Schaffhausen beziehungsweise Aarau absolvieren. Räto Tschupp betonte, dass die Stiftung der Talentförderung dienen solle.

Nach dem herrlichen Hörgenuss waren alle Konzertgestalter und -besucher zu einem Apéro im Stadtsaal eingeladen.