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Medienbericht vom 08. Dezember 1998

Zofinger Tagblatt

Zwei junge Solisten zeigten hohes Niveau

Jahreskonzert der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung in ausverkauftem Stadtsaal

bhä

Herzlich begrüsste am Freitagabend als Vertreter des Stiftungsrates der Jmanuel und Evamaria Schenk-Stiftung, Raymond Oswald, die vielen Musikfreunde im ausverkauften Stadtsa:al Zofingen zum Jahreskonzert der Stiftung mit dem Aargauer Symphonieorchester unter der Leitung von Räto Tschupp. Als vielversprechende Talente dieses Konzertabends entbot er den beiden Solisten Andrea Tenaglia, Oboe, und Anna Gutowska, Violine, ein herzliches Willkommen.

Bedeutung der Stiftung betont

Raymond Oswald betonte lobend die starke Verankerung der 1995 durch Jmanuel und Evamaria Schenk ins Leben gerufenen Stiftung zugunsten junger Solisten im Zusammenspiel mit einem Orchester. Bereits dreimal habe dank der Stiftung ein mehrtägiger Workshop für verschiedene junge Instrumentalisten und Vokalisten stattgefunden, aus denen die Jury jeweils die Solisten für das Jahreskonzert der Stiftung im Stadtsaal Zofingen auswählte. Neu habe sich die Stiftung auch beim Verbier Festival & Academy engagiert, wodurch die Gewinner des Workshops im Juni nächsten Jahres an einem Diplom-Konzert teilnehmen können.

Von den letztjährigen Workshop-Gewinnerinnen haben Catherine Plattner, Genf, Violine, der Stiftung berichtet, welch grosse Bereicherung ihr das Festival, selbstverständlich auch der Workshop gebracht habe. Raymond Oswald dankte aber auch speziell Dirigent Räto Tschupp und den Orchestermitgliedern für ihr grosses Engagement während des Workshops und Konzerts.

Das Jahreskonzert

Das Aargauische Symphonieorchester eröffnete den Konzertabend mit der konstrastreichen Ouvertüre zu «Armida» von Joseph Haydn mit in zarter Klangsprache von Oboen, Fagott und Flöte und jenen von temperamentvollen Streichern kontrastreichen und melodiös gehaltenen Parts.

Der 1971 in Italien geborene, an der Musikhochschule Zürich in der Solistenklasse studierende Andrea Tenaglia stellte sich als hochkarätiger Oboist im Konzert für Oboe und kleines Orchester (Allegro moderato – Andante – Vivace – Allegro) auswendig spielend vor. Fabulierend, melodiös, mit leichter Traurigkeit erzählend, hübsch von Bratschen, Fagott und Klarinetten begleitet, später im lyrischen Part, zusammen mit Streichern, in fast abgeklärter, teilweise lieblich erinnernder, weicher Klangsprache oder fast rufend, zum Zupfen der Streicher, als Selbstgespräch mit fragenden Akzenten oder übermütig, lotete Andrea Tenaglia die musikalischen Facetten mit seiner hohen Spiel-, vor allem Atemtechnik, meisterhaft aus und erntete Riesenapplaus.

Auch bei der Vorstellung der erst 18jährigen Violonistin Anna Gutowska im Zusammenspiel mit dem Orchester des anspruchsvollen Konzerts für Violine und Orchester Nr. 3 h-moll, op. 61, mit den Sätzen Allegro non troppo, Andantino quasi allegretto, molto moderato e maestoso - Allegro non troppo von Camille Saint-Saëns, wurde dieses Nachwuchstalent mit frenetischem Beifall gefeiert.

Hervorragendes Klangbild

Die junge Violinistin hatte sich am Workshop mit dem von ihr hervorragend gestalteten Klangbild des Konzertes für Violine und Orchester C-46, D-Dur, op. 35 von Peter Tschaikowsky vorgestellt. Diese Komposition erklang bekanntlich am Jahreskonzert 1997 durch die bereits oben erwähnte Workshop-Gewinnerin Catherine Plattner. Ohne Zögern habe Anna Gutowska daraufhin das Konzert von Saint-Saëns auch auswendig spielend – vorgeschlagen. Sie überzeugte und beglückte durch virtuose Bogensprache und ausgefeilte Technik der linken Hand in der Auslegung feinster, zarter Tonpalette als auch temperamentvoller Dramatik. Kontrastreich erzählte sie, stets zu Steigerungen fähig, skizzierte sphärenähnliche Zartheit, liebliches Meditieren, Zaudern, trotzig Erzählen­ des, ebenso nuanciert wie tänzerisch oder dramatisch Ausgelegtes.

Von Applaus begleitet, übergab Evamaria Schenk in herzlicher Art den beiden jungen Solisten ihre Urkunden, worauf das Orchester abschliessend mit der herrlich intonierten Sousedska 1 aus «Slawische Tänze», op. 46, von Antonin Dvorak, stark applaudiert, diesen begeisternden Konzertabend beendete und die Besucher in die frisch verschneite Winternacht entliess.