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Medienbericht vom 15. Dezember 1997

Zofinger Tagblatt

Drei neue Sterne am Konzerthimmel

Jmanuel & Evamaria Schenk Stiftung fördert junge Solisten

Bernhard Schindler

Seit 1995 existiert nun die Jmanuel & Evamaria Schenk Stiftung, die junge Solisten fördert und ihnen kurz vor Erlangung des Solistendiploms die Gelegenheit schafft, mit einem Berufsorchester zusammenzuarbeiten. Zum dritten Mal durfte am Freitag ein kompetentes Publikum das Resultat dieser Bemühungen in einem wundervollen Konzert beurteilen. Das Urteil war einhellig: Drei neue Sterne beginnen am Konzerthimmel zu leuchten!

1995 wurde die Stiftung der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt. Es war dem einen Stifter, dem bereits schwerkranken Jmanuel Schenk, leider nur vergönnt, das Gründungskonzert mitzuerleben. Evamaria Schenk hat aber, zusammen mit dem Stifftungsrat, dem u.a. auch Zofingens Stadtammann Urs Locher angehört, und dem Aargauer Symphonie Orchester (ASO) unter Leitung von Räto Tschupp die Stiftung erfolgreich weitergeführt: Am 12. Dezember 1996 konnten weitere vier junge Solisten mit dem ASO konzertieren, und am gleichen Tag in diesem Jahr waren es drei junge Künstler, die ihr Können vor dem vollbesetzten Stadtsaal in Zofingen unter Beweis stellten.

Urs Locher als Präsident des Stiftungsrates begrüsste die gespannt wartende Konzertgemeinde, und der Chef der kantonalen Kulturpflege, Dr. Andre Moosburger, unterstrich, dass Zofingen durch die Stiftung zu einem Zentrum der Künstlerförderung geworden sei. Er dankte der Stifterin Evamaria Schenk; die nach dem Konzert die drei Künstler mit einem Blumenstrauss ehrte, für die Weitsicht und das echte Mäzenatentum der grosszügigen Stiftung.

Sinn der Stiftung

Als Kulturliebhaber und Musikbegeisterte haben sich die Gründer zusammen mit dem ASO und dem Schweizerischen Bankverein, der die Stiftung dank seiner Erfahrung auf dem Gebiet der Kulturförderung unterstützt, nach Möglichkeiten gesucht, jungen, angehenden Musikstudentinnen und -studenten bei der Ausbildung zu helfen.

Das Stipendienwesen für junge Musiker ist zwar bereits gut ausgebaut. Doch fehlte vor der Stiftungsgründung vielen Jungmusikern vor der Erlangung des Solistendiploms die Gelegenheit, mit einem Berufsorchester zusammenzuarbeiten.

Das ASO steht dank der Stiftung für Proben und Workshops als Studienabschluss in Zusammenarbeit mit Musikhochschulen oder mit dem Schweizerischen Musikpädagogischen Verband zur Verfügung. Die drei am Freitagabend Geehrten haben im Herbst dieses Jahres einem solchen Workshop in Zofingen beigewohnt.

Konzert aus einem Guss

Am Freitag abend durften nun die drei Künstler der Jahrgänge 1974, 1977 und 1979 als Solisten eines abwechslungsreichen und erfüllenden Konzerts ihr hervorragendes Können beweisen.

Auf dem Stradivari ein Meister

Christian Poltera, 1977 in Zürich geboren, ein herausragendes Talent der jungen Cellisten-Generation, spielte auf einem Stradivari-Violoncello, das ihm von der Habisreutinger-Stiftung in Gersau zur Verfügung gestellt wurde, den Solopart in Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester in D-dur, op. 101, Hob. Vllb 2. Poltera bildet sich nach Studien bei Boris Pergamenschikow zurzeit bei Heinrich Schiff in Wien aus. Als Solist konzertierte er bereits mit namhaften Orchestern und Dirigenten.

Mit dem berühmten Cello aus dem Jahr 1698 fesselte der junge Künstler sein Publikum. Treffsicher meisterte er die fulminanten Soli des Allegro moderato, überzeugte im Adagio und gelangte zur virtuosen Meisterschaft im Allegro. Man merkte Räto Tschupp und dem Orchester an, welche Freude es ihnen bereitete, den jungen Solisten zu begleiten.

«Wunder- Teen» mit akrobatischen Händen

Der absolute Höhepunkt (wenigstens für mich, der ich der neueren Musik dieses Jahrhunderts doch noch mit einer gewissen Ratlosigkeit gegenüberstehe) war Maurice Ravels Konzert für Klavier und Orchester in G-dur aus dem Jahr 1931. Das Konzert, das mich an Debussy, Gershwin, Jazz und rumänische Zigeunermusik erinnerte, faszinierte den ganzen Saal. Und im Mittel­ punkt sass die 18jährige Pianistin, wenn schon kein Wunderkind mehr, so doch noch ein «Wunder- Teen». Eve­ Anouk Jebejian, in Montreal geboren, hat schon mit vier Jahren begonnen, Klavier zu spielen. Als sich ihre Familie 1985 in Genf niederliess, bekam sie am dortigen Konservatorium Unterricht. Später studierte sie am Conservatoire de Musique de La Chaux-de-Fonds und ergänzte ihre Ausbildung an verschiedenen Meisterkursen in Kanada, Österreich, Frankreich und in der Schweiz bei Brigitte Meyer. Recitals und Engagements als Solistin führten sie in die Konzertsäle der Romandie und Kanadas. Eve-Anouk Jebejian spielte zunächst mit weichen, einfühlsamen Händen, um dann aber im Sinne Ravels in die Tasten zu hämmern. Ihre Finger lösten beinahe akrobatische Aufgaben. Und besonders in den Kadenzen zeigte die Künlstlerin, dass sie nicht nur technisch perfekt ist, sondern auch von unglaublich reifer Musikalität.

Geige zum Leben erweckt

Als drittes Stück dirigierte der immer souveräne Räto Tschupp Peter Iljitsch Tschaikowskys Konzert für Violine und Orchester D-dur, op. 35. Solistin war die. dreiundzwanzigjährige Catherine Plattner aus Genf, die dort im Alter von sechs Jahren ihr Violinstudium begonnen hatte. 1988 erhielt sie eine Auszeichnung beim Schweizer Jugend-Musikwettbewerb und begann an der Kayaleh Violin Academy in Crans-pres­ Celigny zu studieren, wo sie sich auch heute noch weiterbildet. Am Konservatorium Lausanne belegte sie die theoretischen Fächer und erhielt dieses Jahr das Abschlussdiplom SMPV. 1989 hatte sie den 1. Preis beim Internationalen Violin-Wettbewerb in Stresa gewonnen. Nach einem Recital bei Radio Suisse Romande 1993 konzertiert sie seitdem regelmässig in der Schweiz und in Frankreich.

Catherine Plattner spielte konzentriert die schwierigsten Passagen und hielt ihr Publikum in Bann. Sie verinnerlichte auch in ihrer Haltung die ergreifende Musik Tschaikowskys und strahlte mit ihrer Ruhe Ernst und Würde aus.

Einmal mehr darf man dem Aargauer Symphonie Orchester unter Räto Tschupp ein Kränzlein winden für die subtile Begleitung der Künstlerinnen und des Künstlers, die voll im Rampenlicht standen und so ihr Bestes geben konnten. Langandauernder Applaus belohnte alle drei jungen Künstler, deren Namen man sich unbedingt merken muss!