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Medienbericht vom 14. Dezember 1996

Zofinger Tagblatt

Nachwuchs bewies überdurchschnittliches Können

Jmanuel & Evamaria Schenk Stiftung mit jungen Solisten

Bernhard Schindler

Vor einem Jahr wurde in einem festlichen Konzert im Stadtsaal Zofingen der Grundstein zu einer Kulturförderung ganz besonderer Art gelegt: Die Jmanuel und Evamaria Schenk Stiftung schafft jungen Musikern kurz vor Erlangung des Solistendiploms die Gelegenheit, mit einem Berufsorchester zusammenzuarbeiten.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später waren nun ebenfalls im Stadtsaal die ersten Früchte dieser Zusammenarbeit zu geniessen. Das Aargauer Symphonie Orchester (ASO) unter Leitung von Räto Tschupp bot vier Solisten der Jahrgänge 1966 bis 1973 die Gelegenheit, ihr Können vor grossem Publikum unter Beweis zu stellen. Es waren dies David Kummer, Oboe, in einem Konzertstück für Oboe und Orchester von Johann Christian Rietz, Barbara Pietrzak, Gesang, in fünf Liedern von Richard Wagner, Oliver A. Schnyder, Klavier, im Klavierkonzert in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, und Mario Venuti, Alt-Saxophon, im Concertino da Camera von Jacques Ibert. Alle vier brillierten in ihren Soli und begeisterten ein applausfreudiges Publikum.

Was bezweckt die J. und E. Schenk Stiftung?

Als Kulturliebhaber und Musikbegeisterte haben die Stiftungsgründer Jmanuel und Evamaria Schenk zusammen mit dem ASO und dem Schweizerischen Bankverein, der die Stiftung dank seiner Erfahrung auf dem Gebiet der Kulturförderung aktiv unterstützt, nach Möglichkeiten gesucht, jungen, angehenden Musikern bei der Ausbildung zu helfen. Das Stipendienwesen für Musikstudentinnen und -studenten ist bereits gut ausgebaut. Doch fehlte bis jetzt vielen Jungmusikern vor der Erlangung des Solistendiploms die Gelegenheit, mit einem Berufsorchester zusammenzuarbeiten.

Das ASO steht jetzt zur Verfügung für Proben und Konzerte als Studienabschluss in Zusammenarbeit mit Musikhochschulen oder mit dem Schweizerischen Musikpädagogischen Verband und für Kurse mit mehreren Teilnehmern, organisiert vom ASO oder der Stiftung.

Vier Nachwuchs-Solisten

Am Donnerstagabend war es soweit, dass sich die ersten vier von der Stiftung und dem ASO unterstützten Musiker einem breiteren Publikum präsentieren konnten.

David Kummer, geboren 1969 in Thun, Ausbildung zum Primarlehrer und ein Jahr in diesem Beruf tätig, nahm seit seinem 12. Altersjahr Oboenunterricht, von 1992 an bei Kurt Meier in Luzern. Danach belegte Kummer Meisterkurse bei Ernest Rombout und Omar Zoboli.

Im Konzertstück für Oboe und Orchester in F, op. 33, von Johann Christian Rietz (1767-1828) erwies sich David Kummer als einfühlsamer, taktsicherer und fröhlich musizierender Oboist, der das harmonisch beschwingte Konzertstück beinahe tänzerisch dominierte. Die Oboe beherrschte er brillant und vermochte ihr virtuose Tremolos zu entlocken.

Barbara Pietrzak, geboren in Siemianowice (Polen), Ausbildung an der Musikakademie Krakau, Zusammenarbeit sowohl mit Gesellschaften für alte Musik wie auch mit solchen zeitgenössischen Schaffens, hatte 1994 den 1. Preis im Wettbewerb für zeitgenössische Musik in Warschau errungen. Heute studiert sie am Konservatorium Luzern bei Nadine Asher.

Barbara Pietrzak sang fünf von Mathilde Wesendonck gedichtete Lieder von Richard Wagner (1813-1883) mit voller, den Saal füllender Stimme und warmem Klang. Sie wird noch an ihrer Diktion arbeiten müssen, selbst in der fünften Reihe waren die Texte wenig verständlich. Andererseits dürfte die Polin mit der gewählten Fremdsprache auch noch einige Mühe haben. Doch vom stimmlichen Können her hat die Künstlerin durchaus überzeugt.

Der 1973 in Aarau geborene Oliver A. Schnyder studierte .bei Emmy Henz­Diémand und erlangte beim SMPV das Lehr- und Konzertreife-Diplom. Seither bereitete er sich in der Konzertklasse von Homero Francesch an der Musikhochschule Zürich auf das Solistendiplom als Pianist vor.

Der Gewinner mehrerer Studien­ und Förderpreise hatte die dankbare Aufgabe, Mozarts mitreissendes Konzert für Klavier und Orchester in A-Dur. KV 488, als Solist zu bestreiten. Schnyder verfügt über einen präzisen, weichen Anschlag, begeisterte in der Kadenz mit leichten, luftigen Klängen, war sehr einfühlsam im langsamen Satz und meisterte das Allegro assai schnell und virtuos, ohne bei den schwierigen Passagen zu schludern. Schnyder erhielt vom begeisterten Publikum wohlverdienten, langen Applaus.

Mario Venuti, geboren 1967 in Zug, besuchte den Saxophonunterricht an der Musikschule Zug, bei Iwan Roth in Basel, bei J.G. Koerper in Lausanne und in der Konzertklasse Beat Hofstetter in Luzern. Anschliessend belegte er Meisterkurse bei Jean Fermeau, Paris, Urs Schoch, Zürich, Corinna Rascher, Lörrach, und Kyle Horch, London.

Er war Solist im Concertino da Camera für Alt-Saxophon und Orchester von Jacques lbert, einem rassigen Stück, das entfernt an George Gershwins «American in Paris» erinnerte. Mario Venuti entlockte dem Instrument schmelzende, swingende Töne und faszinierte durch die Brillanz seines hervorragenden Könnens.

Das Aargauer Symphonie Orchester unter Räto Tschupp interpretierte die vier unterschiedlichen Stücke souverän und immer im Blick auf die Zur-Geltung-Bringung der Solisten. Der bis zum letzten Platz gefüllte Stadtsaal in Zofingen wurde einmal mehr Zeuge eines einzigartigen Konzertabends, der vom Publikum wärmstens verdankt wurde.

Leider war es einem der Stifter, Jmanuel Schenk, nicht mehr vergönnt, sich am Resultat seiner und seiner Gattin Bemühungen erfreuen zu dürfen. Allzu früh ist er dieses Jahr an einer äusserst tapfer ertragenen Krankheit gestorben: Evamaria Schenk dürfte dieses auch von ihr ermöglichte Konzert in Erinnerung an ihren geliebten Mann ganz besonders bewegt haben.