Zurück zur Übersicht

Medienbericht vom 14. Dezember 1996

Aargauer Zeitung

Förderung verheissungsvoller junger Solisten

Jahreskonzert der Schenk-Stiftung mit dem Aargauer Symphonie Orchester

Hans Maurer

Im Anschluss an den ersten Workshop im Oktober im Bildungszentrum in Zofingen präsentierte die Jmanuel und-Evamaria Schenk Stiftung am Donnerstagabend im restlos besetzten Stadtsaal in Zofingen vierjunge Solisten, welche für das Jahreskonzert 1996 erkoren wurden.

Die im Herbst dieses Jahres – nach Vorsingen und Vorpielen – von einer Jury ausgewählten Studierenden, die nach Zofingen eingeladen wurden, sind: David Kummer, Oboe; Barbara Pietrzak, Gesang; Oliver A. Schnyder, Klavier und Mario Venuti, Alt-Saxophon – mit Ausnahme des in Zürich ausgebildeten Pianisten alle von der Musikhochschule Luzern. Ihre Aufgabe, jungen Musikern die Chance zu verschaffen, mit einem Berufsorchester – dem Aargauer Symphonie Orchester (ASO) unter der Leiter von Räto Tschupp – Erfahrungen als Solisten zu gewinnen, erfüllt die Schenk-Stiftung mit grossem Geschick. Lebhafte Beteiligung ist der Dank der Jugend dafür. Die Bereitschaft des ASO bei diesem Förderungskonzept mit grösstem Engagement mitzutun, hat dem Orchester sehr viel Goodwill eingebracht. Das aargauische Kulturschaffen gewinnt dadurch einen hochwillkommenen Impuls.

Das Konzert vorn Donnerstagabend vermittelte einer lebhaft mitempfindenden Hörerschaft ein mannigfaltiges Programm und die Begegnung mit vier sympathischen, hochbegabten Musikern. Den Anfang bot der aus Thun stammende Oboist David Kummer, der das unbekannte Konzertstück für Oboe und Orchester in F, op. 33, von Johann Christian Rietz in sorgfältiger, kluger Phrasierung vortrug und mit dem Orchester bestens harmonierte. Die «Fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck für eine Frauenstimme» hat Richard Wagner in Zürich in «Tristan»-Stimmung komponiert; in der Orchesterfassung von Felix Mottl gewinnen sie noch deutlich an Ausdruck und Klangfarbe. Die Polin Barbara Pietrzak trug sie ohne Sentimentalität mit einer kraftvollen, tragenden Stimme vor und erzielte in den beiden Hauptliedern «Im Treibhaus» und «Trume» mit verhaltenem Affekt dichte Stimmung.

Als deutlicher Liebling des Abends wartete der Aargauer Pianist Oliver A. Schnyder mit einer temperamentvollen, präzisen und differenzierten Darstellung von W. A. Mozarts Klavierkonzert in A­ Dur auf. Der 23jährige Oliver Schnyder hat in seiner jungen Karriere schon bedeutende Erfolge errungen und gestaltete die drei in reiner Klassik gesetzten Sätze in wacher Aufmerksamkeit mit dem Orchester – ein Talent stellte sich hier vor, das vom Publikum zu Recht begeistert gefeiert wurde.

Das Concertino da Camera für Alt­ Saxophon und Orchester von Jacques Ibert fand in dem aus Zug stammenden Mario Venuti einen ungemein versierten, musikantischen Interpreten, der den technisch und rhythmisch anspruchsvollen Solopart virtuos und mitreissend meisterte. Witz und gewaltige Klangfülle mit schockierenden Dissonanzen kamen voll zur Geltung, wobei Räto Tschupp mit dem ASO hart gefordert war und seinen Teil am rauschenden Applaus auskosten durfte.

Solisten und erster Geiger des Orchesters wurden mit bunten Blumensträussen dekoriert: die Anerkennung der Stiftungspräsidentin Evamaria Schenk für einen hohen künstlerischen Genuss. Die Förderung junger Talente wird auch 1997 Früchte tragen und öffentlich Anerkennung finden.